Ausgang.

Drei wunderschöne Wochen neigen sich dem Ende. Drei Wochen voller Normalität, voller Spaß und voller traumhaftem Wetter. Viel zu schnell gewöhnt man sich wieder an den ganz normalen Alltag Zuhause und viel zu schnell geht die Normalität wieder um. Jetzt habe ich nur noch das Wochenende, bevor ich mich Montag wieder der Realität, der Krankheit, dem Krankenhaus stellen muss. Jede Minute, jede Sekunde wird ab jetzt in vollen Zügen genossen, jeder Moment noch einmal voll ausgekostet. Am aller liebsten würde ich einfach die Zeit wieder zurückdrehen. Noch einmal 2,5 Wochen in die Vergangenheit und alles noch einmal genauso erleben, wie es war. Noch einmal Raclette machen, um so das Weihnachts- oder auch Silvesteressen nachzuholen, was ich im letzten Jahr auslassen musste. Noch einmal bei 16 Grad im Fischerreihafen in der Sonne sitzen, Fischbrötchen essen und aufs Wasser gucken. Noch einmal lecker zusammen mit Mama unser Lieblingsgericht Spaghetti Aglio e Olio kochen. Noch einmal lecker essen gehen mit der besten Freundin und einfach quatschen. Doch vor allem noch einmal kochen worauf man Lust hat, sich mit dem Freund ins Bett kuscheln, Netflix gucken und nie wieder aufstehen wollen. Auch wenn ich jeden zweiten Tag zur Kontrolle ins Krankenhaus musste, da die letzte Chemo als nette Nebenwirkung eine stärkere Blutgerinnung hatte und das natürlich zu schwerwiegenden Folgen führen könnte, wusste ich, dass ich Abends zusammen mit meinem Freund den Abend genießen kann und vor allem, dass ich die Nacht im eigenen Bett verbringen kann. Die Vorstellung die nächsten Wochen wieder meine meiste Zeit in einem Krankenhausbett zu verbringen, mir nicht aussuchen zu können, was ich essen möchte und die ätzenden Behandlungen zu bekommen lässt mich wirklich innerlich kotzen. Doch was solls. Es muss weiter gehen und so schön die Zeit Zuhause ist, muss ich mir immer wieder vor Augen halten, dass die Krankheit, so gut es mir auch geht, von der Zeit Zuhause nicht weg geht. Und Priorität Nr.1 ist es gesund zu werden. Wären die Haare nicht weg, die mir immer wieder im Spiegel zeigen, dass ich krank bin, würde ich es vermutlich in der Zeit Zuhause einfach vergessen. Was jetzt kommt? Ich habe keine Ahnung. Auf jeden Fall wieder Chemo, weiter in der Therapie. Der dritte Chemoblock muss starten, es muss weitergehen, sonst bin ich den Scheiß nie los. 

Bevor ich es vergesse: An dem letzten Samstag, den ich im Krankenhaus verbringen musste, überkam mich die Langeweile. Ich habe eines der „Instagram-Story-Tools“ genutzt, um mir diese ein bisschen zu vertreiben. Da einige Fragen beim „Stellt-mir-eine-Frage-Tool“ doppelt und dreifach gestellt wurden, habe ich mich dazu entschieden die häufigsten Fragen einfach hier zu beantworten. Allerdings hatte ich während der Zeit, die ich nun Zuhause verbracht habe absolut keine Lust meine Zeit mit schreiben zu verbringen, so gibt es die Antworten erst jetzt. Sorry, not sorry. 

  • Wie geht es dir? Eine eigentlich wirklich sehr einfache, aber doch wichtige Frage. Ich kann sie zum Glück momentan sehr klar beantworten: Es geht mir sehr, sehr gut. Ich merke von der Krankheit kaum etwas, toi toi toi. Klar bin ich nicht immer 100%ig fit, aber ist das bei einem gesunden Menschen nicht auch mal so, dass man einen schlechten Tag hat?  Auch wenn ich Zuhause mal sehr kaputt bin und auch mal Bauch- oder Kopfschmerzen habe, bin ich immer noch Zuhause und habe meine liebsten Menschen um mich herum. Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen und kann die Zeit komplett für mich nutzen. Es steht jetzt zwar wieder Krankenhaus vor der Tür, doch auch da weiß ich, dass ich ganz viel Unterstützung durch meine Familie und meine Freunde bekomme, und so denke ich wird es mir auch in der Zeit größten Teils gut gehen. 
  • Woher nimmst du die ganze Kraft? Meine Familie, meine Freunde und mein Freund geben mir sehr viel Kraft. Sie stehen mir bei, komme was wolle. Auch wie alle mit mir umgehen, gibt unglaublich viel Kraft. Niemand behandelt mich wie eine „Kranke“, niemand bemitleidet mich, alle stehen mir sehr positiv gegenüber, das tut einfach gut. Natürlich schöpfe ich auch in der Zeit Zuhause unfassbar viel Kraft. Es ist als würde ich die Wochen an einer Steckdose verbringen und mich wieder komplett aufladen. Doch ich denke am wichtigsten, am wirklich aller wichtigsten ist die eigene Einstellung. Du wirst keine Kraft haben, wenn du dich selber bemitleidest und dich selber runterziehst. Was bringt es denn auch? Nichts. Man darf seinen Mut nicht verlieren, eine positive Einstellung schenkt Kraft ohne Ende. 

  • Wie gut schlägt die Therapie an? Sehr gut! Ich bin so froh, dass ich diese Frage so eindeutig beantworten kann. Die Ärzte sind durch und durch zufrieden mit dem jetzigen Stand der Ergebnisse und der Therapie. Der jetzige Stand ist, dass sich keine Leukämiezellen mehr in meinem Körper befinden und mit der weiteren Therapie sozusagen sichergestellt wird, dass das natürlich auch so bleibt. Bis auf Müdigkeit, Kurzatmigkeit und ein wenig Übelkeit habe ich auch noch keine wirklich schlimmen Nebenwirkungen gehabt. Die Ärzte sind sehr froh, dass ich die Therapie so gut vertrage. Ich hoffe einfach, dass es so bleibt und ich auch den nächsten Block gut und mit wenig Beschwerden überstehe. 


  • Hast du manchmal auch etwas Angst? Da müsste man jetzt festlegen, wovor Angst? Natürlich habe ich auch mal Angst. Ich habe allerdings eher Angst vor Schmerzen, nicht vor der Krankheit selbst. Ein gutes Beispiel wäre: Ich musste im letzten Block 3 Spritzen in 3 Wochen ins Knochenmark bekommen, bei denen man keine Betäubung nutzt, da die Person sitzend einen Katzenbuckel machen muss. Eine Betäubung an der Stelle selber wäre Schwachsinn, da dafür auch eine Spritze genutzt werden würde. Diese Spritze verursacht einen kurzen, aber sehr unangenehmen Schmerz, der durch den ganzen Körper zieht. Davor hatte ich immer sehr Angst, weil ich genau wusste was auf mich zu kommt. Vor der Krankheit habe ich keine Angst, weil ich sehr zuversichtlich bin, dass ich die so schnell wie möglich wieder los bin. 

P.S.: Ich wollte unbedingt Raclette essen. Habe meinen Freund sogar im Dezember noch dazu gezwungen zwei Pakete Raclette-Käse einzufrieren, damit ich auch ja keinen anderen Käse nehmen muss. Und es war einfach göttlich. Dinge mit Käse zu überbacken ist einfach die schönste Sache der Welt. Deshalb in diesem Post ein paar Bilder von einem meiner Highlights Zuhause.