Der Sommer ist vorbei – endlich.

Die Zeit rennt. Der Sommer ist vorbei. Drei teils grauenhafte, aber auch teils wunderschöne Monate sind vorüber und der Herbst steht vor der Tür. „Wenn erstmal der Sommer vorbei ist, dann ist das Ende in Sicht“, haben wir zum Anfang der Therapie immer gesagt. „Ist der Sommer überstanden, ist der Rest eine Kleinigkeit.“ Jetzt ist es soweit, der Sommer ist vorbei. Wieder sitze ich im Krankenhaus und hoffe so sehr, dass meine Werte immer besser werden und sich alles weiterhin positiv entwickelt. 

Mein Sommer-Resümee? Die Hitze hat mich in die Knie gezwungen. Sobald die 30 Grad Marke geknackt wurde, war es für mich ein Ding der Unmöglichkeit die Zeit draußen zu verbringen. Aus meiner geliebten Sonne wurde mein größter Feind. Je länger der letzte Zyklus und somit auch die letzte Chemo vergangen waren, desto besser kam ich mit den Temperaturen klar. Die letzten Wochen konnte ich dick eingecremt und mit absolut hässlichem Sonnenhut sogar ein wenig Vitamin D tanken.  Lasst euch sagen: Es hat so gutgetan! Urlaub – nur Zuhause. Zeit mit den Liebsten verbringen, lecker essen, die Sonnenstrahlen genießen und sich nicht mehr vor ihnen verstecken. Unternehmungen, am Wasser, am Meer. Lange Spaziergänge und sogar Feiern, was ich mir noch vor kurzer Zeit niemals zugetraut hätte. Es fühlt sich so normal an, ich fühle mich wieder stärker. Manchmal fällt es mir sehr schwer alles zu verstehen, manchmal möchte es einfach nicht in meinen Kopf gehen. Ich bin fit, die meiste Zeit zumindest, unternehme viele Sachen, fühle mich gut und lache viel. Trotzdem sitzt da etwas in meinem Körper, was bösartig ist und was meinen Zustand immer wieder verschlechtern könnte. Ich fühle mich gesund, klar bin ich körperlich schwach, aber mein Allgemeinwohlsein ist gut, doch da lauert in meinem Körper etwas, was mich kaputt machen könnte. In solchen wundervollen Momenten, wie dem kleinen „Urlaub“ und die Zeit mit meinen Liebsten lassen mich einfach vergessen, dass dieses bösartige Zeug in meinem Blut überhaupt existiert und das ist auch gut so!

Jede Sekunde, die es mir so gut geht macht mich stärker. Jede Minute, die ich nicht daran denken muss und mich normal fühlen kann gibt mir so viel. 

Ich bin an dem Punkt, auf den ich seit letztem Dezember gewartet habe, der Sommer ist vorbei. Es geht in die letzte Phase. Die vorletzte Therapie ist gerade im Gange und darauf folgt noch ein ziemlich langer Zyklus, der in 2 Blöcke aufgeteilt wird. Dieser momentane Block ist nicht sonderlich stark, die Ärzte rechnen mit wenig Nebenwirkungen, doch der nächste wird noch einmal härter. Aber sind wir doch mal ganz ehrlich? Das stehe ich jetzt auch noch durch. Neun Monate sind wie im Flug vergangen und ich blicke nun auf den Endspurt. Die letzten Blöcke, um der Leukämie und diesen beschissenen Zellen nochmal so richtig in den Arsch zu treten. Sie sollen weg sein, wegbleiben und das für immer. Das Ziel ist November und darauf folgen noch 1,5 Jahre Erhaltungstherapie. Aber erst einmal November. Der Sommer ist überstanden und das Versteckspiel vor der Sonne vorbei. Neun Monate pendeln zwischen Krankenhaus und zu Hause sind um, sieben Chemos geschafft, bald acht. Zwei Monate liegen jetzt noch vor mir. Zwei Monate, die ich im Krankenhaus verbringen muss und Chemo bekomme. Zwei Monate den Zellen noch einmal richtig Feuer geben, damit das alles endlich ein Ende hat. Ich habe keine Lust mehr, möchte ein normales Leben. Möchte nicht immer als erste nach Hause, weil ich kaputt bin, möchte mich in die Sonne legen ohne gleich Allergien, Infektionen oder Sonstiges befürchten zu müssen. Vor allem aber möchte ich in der Zukunft irgendwann wieder voller Stolz sagen können „ich bin gesund.“ 

Mich gibt’s auch noch.


Lang ist’s her seit ich mich das letzte Mal hier gemeldet habe. Ziemlich still ist es um mich geworden. Aber was soll ich erzählen, wenn es nichts zu erzählen gibt? Was soll ich schreiben, wenn alles immer gleich abläuft. Es hätte einfach keinen Sinn gemacht einen Beitrag zu schreiben über Dinge die eh schon alle wissen. 
Nach einem langen Zeitraum, einigen Chemos und einer kleinen, schwarzen Haarpracht, die mir momentan wieder ausfällt, gibt es tatsächlich wieder mehr zu berichten. Es hat sich etwas geändert, eine Sache, die mir überhaupt nicht zu Gute kommt und mir wirklich ordentlich zu schaffen macht: das Wetter. Ich kann einfach nur sagen, wenn man als gesunder Mensch denkt: „Boah, das Wetter kann man echt nur im Wasser aushalten“, oder „Ich bin so kaputt bei der Hitze“, dann sollte man mal einen Menschen fragen, der Chemotherapie bekommt. Halleluja! Sagen wir es mal so, eigentlich habe ich mich die letzten zwei Wochen vor der Sonne und der Hitze versteckt. Die 15 Grad momentan sind für mich ein absoluter Segen. Ich bin vermutlich der einzige Mensch, der sich über die Kälte freut. Eigentlich liebe ich die Sonne, ich liebe es Dinge mit Freunden zu unternehmen und die Hitze im See oder Schwimmbad auszuhalten. See und Schwimmbad? Ach, da war ja was, darf man natürlich während der Therapie absolut nicht und auf keinen Fall. Also sitze ich in meiner Wohnung und bin mehr als dankbar, dass die schön kühl ist, obwohl wir im 7. Stock wohnen. Kleinere Ausflüge zum Wochenmarkt oder zum Einkaufen in der Sonne haben mich immer sofort in die Knie gezwungen. Wenn ich nach so einer Aktion wieder Zuhause angekommen bin, musste ich mich erstmal aufs Sofa legen und mich erholen… vom Einkaufen… in einem Geschäft, das zu Fuß 2 Minuten von der Wohnung entfernt ist. Es ist absolut nervig, dass man nicht wirklich Kontrolle über seinen Körper hat. Natürlich möchte ich tun und machen, aber es geht einfach manchmal nicht so wie will. 

Hier im Norden ist das Wetter zwischendurch immer wieder sehr abgekühlt und zu quälenden Temperaturen wie 35 Grad oder höher ist es gar nicht gekommen, worüber ich so unfassbar froh bin. Jeder Windzug, jede Wolke ist für mich ein absoluter Segen. Sobald es ein wenig abgekühlt ist auf 25 Grad geht es mir auch wieder blendend und ich merke nichts von der Krankheit und der Therapie, doch wenn es so ekelhaft drückend und schwül draußen wird, kann man eigentlich fest damit rechnen, dass ich den ganzen Tag in meiner Wohnung auf der Couch verbringe und eine Koch-Show nach der nächsten schaue, um der Hitze aus dem Weg zu gehen. 

Ich beneide alle Leute so sehr, die sich in die Sonne legen, im See schwimmen oder einfach andere schöne Dinge in der Sonne machen, ohne gleich halb ins Koma zu fallen. Aber guess what? Nächstes Jahr mache ich das auch alles wieder. Bis dahin werde ich einfach immer erst gegen 21 Uhr das Haus verlassen, wenn es abgekühlt ist. Passend dazu, dass ich zurück ins Krankenhaus gegangen bin haben sich die Temperaturen zum Glück auch zurückgenommen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es hier die letzten Wochen gewesen sein muss, so ohne Klimaanlage und jegliche Möglichkeit zu lüften. Nicht lüften? Nö, das darf man hier nicht mehr, weil die Luft in den Zimmern extra gefiltert wird, um Infektionsgefahren zu vermindern und Bakterien zu verringern. Die heiße Luft lässt sich dadurch aber natürlich nicht wegfiltern. Es wäre vermutlich die Hölle geworden. 

An sich geht es mir sehr gut. Mein Gesicht ist durch die Medikamente zwar immer noch sehr aufgedunsen und ich wünsche mir wirklich sehr mein normales Gesicht zurück, doch ansonsten habe ich keine Beschwerden und bin tatsächlich wirklich fit. Ich fühle mich überhaupt nicht krank und bin weder kaputt, noch habe ich andere Probleme. Die kurzen Aufenthalte im Krankenhaus sind wirklich schön und gerade merke ich von der Chemo noch nichts und kann meine Zeit, ob hier in Bremen oder in Bremerhaven sinnvoll nutzen, mit meinen Freunden und meiner Familie. So schlimm die Krankheit auch ist, durch sie merke ich immer wieder wie unglaublich eng meine Bindung zu meiner Familie ist und wie wichtig mir diese Nähe zu meinen Verwandten ist. Meine Mama und mein Papa würden vermutlich Bäume für mich ausreißen, wenn sie müssten und dafür bin ich sehr dankbar. Natürlich verbringe ich auch viel mehr Zeit als vorher mit meiner Familie und das möchte ich nicht mehr missen. 


Auch wenn bei mir momentan medizinisch nicht alles zu 100% glatt läuft und die Ärzte nicht zu 100% zufrieden sind, habe ich immer Menschen um mich herum, die mich auffangen, die mir Kraft geben und mit denen ich immer offen über jede Kleinigkeit, jeden minimalen Rückschlag und natürlich jeden Erfolg sprechen kann. 

Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist, ist das man durch die Gespräche im Krankenhaus und natürlich auch viel durch Social Media über andere Schicksale mit der Krankheit Leukämie erfährt, sowohl positiv als auch negativ. Die erste Reaktion, die dann natürlich im Kopf passiert, ist sich mit dem Schicksal zu vergleichen und genau das ist ein absoluter Fehler! Ganz am Anfang war eine der ersten Dinge, die mir meine erste Bettnachbarin mitgegeben hat: „Vergleiche dich nicht mit anderen. Jeder hier hat seine eigene Geschichte und keiner hier gleicht dem anderen.“ Und wie recht sie hatte! Wenn man seine Zeit zwangsläufig im Krankenhaus verbringt wird man immer Patienten erleben, bei denen die Krankheit nicht so gut bekämpft werden kann und im schlimmsten Fall erlebt man sogar einen Todesfall. All diese natürlich belastenden Eindrücke darf man niemals auf sich selbst projizieren. Nur weil ein anderer Patient schlimme Nebenwirkungen hat, heißt es noch lange nicht, dass du das auch hast und nur weil die Chemo bei dem einen schlechter anschlägt, heißt es nicht, dass es bei dir auch so ist. Dieser eine Satz meiner Bettnachbarin hat absolut dazu beigetragen, dass ich solche Storys nicht zu nah an mich heranlasse, geschweige denn mit mir vergleiche. Der menschliche Körper ist so komplex und bei jedem Menschen so verschieden. Egal ob Alter, Gewicht, Größe, die Form der Krankheit und natürlich die Einstellung machen einen riesen Unterschied bei jedem Einzelnen im Therapieverlauf. Also niemals den Kopf hängen lassen und bloß nicht durch andere Geschichten verunsichern lassen. Du bist stärker! 

  • Blazer: H&M
  • Shirt: Gemischtes Hack Merch
  • Rock: H&M
  • Schuhe: Superga

*Werbung durch Marken-Kennzeichnung

Wellness und Essen.

Wie schnell die Zeit vergehen kann merkt man vermutlich erst, wenn einem etwas Unangenehmes bevorsteht. Wochen werden zu Tagen, Tage zu Stunden und Stunden zu Minuten. Knapp zwei Wochen fliegen vorbei. Ich bin doch gerade erst entlassen worden und schon sitze ich wieder auf Station. Diesmal auf einer neuen Station. „Wir“ sind quasi umgezogen in einen Neubau und es läuft noch alles drunter und drüber, aber ich habe meinen eigenen kleinen Fernseher und muss mich mit niemandem auf ein Fernsehprogramm einigen. Das ist wirklich praktisch. Sind wir mal ehrlich: Das Alter meiner Mitpatienten ist schon wesentlich älter als meins und dementsprechend ist denke ich auch der Geschmack des Fernsehprogramms. Auf der alten Station habe ich das mit dem Fernsehen auf der alten Röhre also einfach gelassen, dagegen ist es hier im neuen Zimmer schon ein wenig Luxus, also wenigstens so ein bisschen. 
Was ich zugeben muss, ich habe die letzten zwei Wochen aber auch wirklich viel gemacht, das hat die Zeit vermutlich noch schneller vergehen lassen, als eh schon. Die erste Woche hatte ich leider ziemlich mit meinem Magen zu kämpfen. Essen war für mich wirklich eine Anstrengung, nur wenige Happen und ich war mehr als satt. Für mich absolut schlimm, ich esse doch so gerne.

Langsam merke ich, dass mein Körper schwächer wird und ich nicht mehr so einwandfrei auf jede Chemo reagiere. Mein Körper wird von Chemo zu Chemo schwächer und dementsprechend reagiere ich. Zum Glück ist das Ganze nicht mehr so stark und schlimm wie am Anfang. Gar nicht vorzustellen, wie dreckig es mir vermutlich jetzt gehen würde, würden die mir das starke Zeug durch den Körper jagen. Zwei Wochen nicht wirklich essen zerrt natürlich ungemein an der Kraft und zwangsläufig auch am Körpergewicht. Mittlerweile habe ich seit Therapiebeginn gute acht Kilo abgenommen. Zu dünn fühle ich mich nicht, eigentlich fühle ich mich sogar ganz wohl mit meinem jetzigen Gewicht. Aber doch bitte unter anderen Umständen und mit vernünftigem Appetit. Woche Zwei ging es schon wesentlich bergauf und meine Mutti und ich haben etwas gemacht, was ich wirklich jedem wärmstens empfehlen kann: Wellness! Einfach ein paar Tage den Kopf ausschalten, am Strand spazieren, die gute Luft genießen, gut essen und es sich einfach gutgehen lassen. Wir haben einfach ins Blaue hinein ein Zimmer in Grömitzan der Ostsee gebucht und hatten dort eine tolle Zeit mit fantastischem Essen und ganz viel Entspannung. 

Bei Gott, es war wirklich einfach nur erholsam. Auch wenn das Wetter nicht so ganz mitgespielt hat war es wunderschön. Obwohl, eigentlich hat das Wetter sehr wohl alles richtig gemacht. Wir konnten einen Tag guten Gewissens im Wellnessbereich vertrödeln, ohne Sonne oder schönes Wetter zu verpassen und konnten am nächsten Tag trotzdem etwas Sonne tanken, als die Wolken wieder wegzogen. Wie gesagt, ich kann es einfach jedem ans Herz legen, der so eine blöde Therapie macht.

Manchmal kommt man einfach an den Punkt, an dem man sich selbst sagt: Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr und verdammt, ich bin erst bei der Hälfte.

Es hilft wahnsinnig einfach mal den ganzen Scheiß zu vergessen und Kraft zu tanken. Es lässt einen wieder positiver denken. Jetzt stellt sich natürlich die Fragen: Gutes Essen? Fantastisches Essen? Bei einem angeschlagenen Magen? Wir hatten Halbpension und somit Frühstücksbuffet und Abendbuffet vom wirklich allerfeinsten. Alles was das Herz und vor allem mein Herz begehrt wurde geboten. Zum Frühstück gab es Ei in allen Varianten, leckerer Käse, frisches Brot, Gemüse, unwahrscheinlich viel frisches Obst, Bacon, Pfannkuchen und, und, und. Zum Abendessen verschiedene Suppen, Fleisch, Fisch, Gemüse und alles in so vielen leckeren Varianten und einer Qualität, es war zum Niederknien, einfach göttlich. Mein Magen hat sich zum Glück ein wenig beruhigt und ich konnte das Essen genießen, zwar habe ich vermutlich wesentlich länger gebraucht als alle anderen Gäste, aber so waren sogar große Portionen machbar. 

Ach, etwas, was ich gerade mal eben so in einem Satz nebenbei erwähnt habe: Hey, es ist Halbzeit. Die Hälfte ist geschafft! Die erste Hälfte ist, wenn ich zurück denke wirklich schnell umgegangen, doch das Ganze noch einmal? Ich muss zugeben, manchmal denke ich wirklich: Es reicht doch langsam. Aber ich weiß, ich weiß, ich brauche das und ich will ja auch wieder gesund werden, und das um jeden Preis.

Es heißt weitermachen, weiterkämpfen und dieser ekelhaften Krankheit keinen Platz in meinem Leben geben.

Ich kann mich so glücklich schätzen, wundervolle Menschen um mich zu haben, die mich einfach packen und mit mir ein paar Tage einfach die Krankheit vergessen und einfach die Zeit genießen. 

Zum Abschluss der mal wieder wirklich schönen zwei Wochen konnte ich noch mit meinen Freunden zum Seestadtfest. Einfach Spaß haben und auch hier natürlich essen, essen, essen und ein bisschen feiern, so viel wie mein Körper es zulässt. Der krönende Abschluss vom Abschluss war dann noch das Essen in einem Lieblingsrestaurant zum ein-jährigen mit meinem Freund. Der muss auch so viel mit mir durchmachen, dafür an dieser Stelle auch noch einmal ein dickes, fettes DANKE. So hätten wir uns unser erstes Jahr auch nicht vorgestellt. Unsere nächsten Jahre werden dafür umso schöner und lassen uns diesen Zeitraum einfach vergessen.
Der fünfte Chemoblock steht jetzt bevor und ich bin unendlich froh, dass ich nicht mehr so extrem viel Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Wie der Arzt es so schön sagt: „Wir halten Sie jetzt an der langen Leine.“Diese Woche ein paar Tage, nächste Woche und dann bis die Werte wieder in Ordnung sind. Ich bin gespannt wie mein Körper reagiert und hoffe einfach schnell wieder Zuhause zu sein. Drückt mir ganz fest die Daumen! 


Outfits 1-3

*Werbung durch Markennennung

  • Hose: Pimkie
  • Oberteil: H&M
  • Mantel: Bershka
  • Gürtel: Gucci
  • Tuch: Muttis
  • Schuhe: Converse
  • Jeansrock: H&M
  • Rollkragen: H&M
  • Kopftuch: & other stories
  • Jeansrock Nr.2: H&M
  • Rollkragen weiß: H&M
  • Blazer: H&M

Gedankengulasch.

Osterlamm bei Oma gefuttert, mit Freunden in den Mai getanzt und ganz viel Spaß gehabt. Jetzt hocke ich wieder hier auf meinem kleinen Einzelbett, höre den ganzen Tag Podcast und werde von Ärzten und Schwestern zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Podcast-hören habe ich hier im Krankenhaus absolut für mich entdeckt. Von Netflix zu Spotify, all-day-long. Dazu spiele ich im Übrigen ungesund viel Candy Crush. Meine Zeit hier nutze ich offensichtlich sehr sinnvoll und produktiv. 
Was ist besser um Zeit totzuschlagen, als sich mal wieder dem Schreiben zu widmen? Klar passieren bei mir jetzt auch nicht immer super spannende Dinge, die es sich lohnt zu erzählen und ich möchte auch niemandem auf die Nase binden, welchen Aufschnitt ich heute auf meinem Gourmet Krankenhausfrühstück hatte oder was ich so Zuhause getrieben habe, das ist im Großen und Ganzen nämlich absolut langweilig und alltäglich, für mich aber super schön und entspannend. 
Worüber also jetzt schreiben? Einfach drauf los, ohne festes Thema, ohne roten Faden. Einfach mal wieder schreiben, was mir so durch den Kopf geht.
Vielleicht starte ich damit, wie es mir momentan geht. Mein Magen randaliert Tag für Tag. Es ist keine wirkliche Übelkeit, Bauchschmerzen sind es auch nicht, aber wohl fühle ich mich irgendwie nicht. Ich weiß, man hört nur Mimimimimi, aber das sind nun mal leider die Nachwirkungen der Chemo, wie die Schwester so schön gesagt hat: „Ein kompletter Tag im Bett darf auch mal sein. Mach einfach drei Kreuze, wenn der Tag vorbei ist.“ Ich vergesse komischerweise immer wie blöd manche Nebenwirkungen sein können. In meinem Kopf spaziere ich hier immer top fit durch und habe keinen Tag mit Beschwerden. Die Realität ist natürlich anders. Aber mit Beschwerden muss hier im Krankenhaus ja zum Glück niemand leben, also lasse ich mir immer fleißig Mittel gegen Übelkeit geben um über den Tag zu kommen und so über die Zeit in meinem Einzelbett, die hoffentlich schnell wieder vorbei ist. Zurzeit befinde ich mich im 4. Block von 10 und sitze hier nach einer 24-Stunden-Chemo meine Zeit ab. Meine Haare wachsen tatsächlich wieder teilweise nach, allerdings nicht auf dem Kopf, sondern nur an den Kopfseiten. Man kann mich auch Hans-Dieternennen. Als würde ich nicht wild genug aussehen, haben sich meine Augenbrauen dazu entschieden immer so zu 50% auszufallen. Zuerst ist die vordere Hälfte, also dieses Buschige ausgefallen. Während das jetzt schön nachwächst und ich da ganz viele Stoppeln und Härchen habe, hat sich die hintere Hälfte zum Abgang entschlossen und ist jetzt auch nur noch so halb da. Praktischerweise habe ich einen ganz guten Augenbrauenstift für mich gefunden, sodass ich, wenn ich unter Menschen gehe nicht komplett verrückt aussehe. Wer wissen will, um welches Produkt es sich genau handelt kann mich sehr gerne fragen, ich kann allerdings nicht garantieren, dass ich eine Ahnung habe wie es heißt, denn ich habe ihn natürlich nicht mit in einem kleinen Gefängnis. Ich versuche aber mein Bestes, versprochen. Ein sehr positiver Fakt: Meine Wimpern kommen wieder. Sie sind sehr kurz und noch nicht wirklich zu gebrauchen, aber sie sind da und das ist nachdem da wirklich so gar nichts mehr war wirklich erfreulich Dreimal klopfen auf Holz, dass das so bleibt. Von den Haaren, die ich momentan teilweise auf dem Kopf habe wird definitiv nichts bleiben, das kann ich garantieren. Dafür habe ich noch zu viel Chemo vor mir. Langsam, aber sicher werden auch die sich wieder verabschieden und ich transformiere mich zurück von Halbglatze Hans-Dieter zu Glatzi. Ist mir auch ganz recht, wenn ich ehrlich bin. 


Es ist ein merkwürdiges Gefühl, dass schon so viel Zeit vergangen ist, allerdings auch noch so viel Zeit vor einem liegt. Manchmal habe ich das Gefühl ich bin quasi schon durch mit der Therapie und manchmal kommt es mir so vor als würden noch Jahre vor mir liegen. Auf der Station bin ich mittlerweile schon der „alte Hase“, was mir natürlich auch das Gefühl gibt: „ach so lang kann es nicht mehr sein“. Doch wenn man sich den Zeitplan anguckt bin ich leider noch nicht mal bei der Hälfte. 

Ich freue mich auf den Sommer, auch wenn ich nicht in die Sonne darf. Ich freue mich auf lange, warme Sommernächte mit Freunden, auch wenn ich keinen Alkohol trinken darf. Ich freue mich auf ganz viel gutes Essen, auch wenn ich nicht alles essen darf.

Ist der Sommer dann irgendwann vorbei, ist November und somit das Ziel auch schon in greifbarer Nähe. Es ist so großartig den Osterdeich hier direkt vor der Tür zu haben und innerhalb von 10 Minuten zu Fuß an der Weser zu sein, um dort ein paar Sonnenstunden zu verbringen. Wenn ich mir überlege, dass es natürlich auch Krankenhäuser gibt, die absolut nicht so gut angeschlossen sind bin ich wirklich froh hier zu sein, um auch von hier aus Zeit mit meinen Liebsten zu genießen. 
Manchmal habe ich das Gefühl ich schreibe hier jedes Mal den Gleichen Quatsch hin, aber es ist einfach so unglaublich wichtig und schön die Kleinen Dinge zu würdigen. Wenn ihr gesund seid und das hier lest, dann denkt einfach mal ganz kurz darüber nach wie unwichtig der Streit mit der Freundin oder dem Freund gerade ist, oder dass ihr euch mal wieder bei den Eltern melden könntet, einfach weil sie so ein wichtiger und starker Teil im Leben sind. Seid froh, dass du genüsslich in euren Döner beißen könnt, ohne auf irgendwas achten zu müssen und ärgert euch etwas weniger über den nervigen Uni-Kram oder die ätzende Hausarbeit. 
Ich stöpsle mir jetzt wieder meine Kopfhörer ins Ohr, mache mir einen Podcast an, bei dem ich lachen kann, lege die Füße etwas hoch und spiele unendlich viele Runden Candy Crush, bis ich mein Handy vor Aggressionen gegen die Wand werfen möchte. Vielleicht mache ich mir noch einen Kamillen-Tee gegen die Magenschmerzen, wenn man es Schmerzen nennen kann und hoffe auf Besserung. 

 

Mal kurz. Mal lockig. Mal lang.

Kann mal bitte jemand die Zeit anhalten? Hilfe. Drei Wochen Zuhause sind schon wieder vorbei gerauscht. Drei Wochen mit Freunden und Familie. Drei Wochen ohne das Gefühl krank zu sein. Innerhalb gefühlter Minuten ist die Zeit vorbei gegangen und jetzt sitze ich wieder im Krankenhaus. Frisch operiert mit leichten Schmerzen. Die erste Chemo ist auch schon wieder durch, der nächste Teil folgt dann die nächsten Tage. Dann wieder Anfang Mai. 


Aber warum zur Hölle eine Operation? Mir wurde ein Port eingesetzt. Bisher hatte ich ja immer meine Schläuche am Hals rumhängen, über die ich die Chemo bekommen habe. Das hat jetzt ein Ende. Mir wurde jetzt ein kleines „Kunststoff-Dings“ (Ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll) über der rechten Brust eingepflanzt. Über dieses „Ding“ bekomme ich ab jetzt Infusionen, Chemos, mir wird darüber Blut abgenommen und, und, und. Dieses kleine Plastik-Ding regelt ab jetzt alles und mein Hals bleibt verschont. Der Port wird ein einziges Mal (wenn natürlich alles gut läuft) eingepflanzt und bleibt dort bis zum Ende der Therapie, während der zentrale Venenkatheter, das Gehängsel am Hals, alle 20 bis 30 Tage erneuert werden muss. Also weniger Anstrengung für alle, sowohl für mich, als auch für die Ärzte. Nur einen Tag nachdem er mir eingepflanzt wurde, haben die Ärzte ihn auch schon in Betrieb genommen. Das war vielleicht ein komisches Gefühl, das sag ich euch. Die Wunde noch taufrisch und schon im Einsatz. Naja, ich will immerhin so schnell es geht wieder nach Hause und dafür muss so schnell es geht die Chemo gegeben werden und dafür wird ja der Port gebraucht. Also ist es mir im Endeffekt recht, die Ärzte wissen schon was sie tun.


Zum Glück stehen bei mir gerade nur fünf Tage Krankenhaus auf dem Plan. Natürlich habe ich Zuhause Kraft gesammelt für die vierte Chemo, aber beim besten Willen, ich möchte nicht noch einen Feiertag im Krankenhaus verbringen, nicht auch noch Ostern. Daher habe ich einen kleinen Deal mit meinem Arzt beschlossen. Ich bin diese Woche hier, bekomme den Port und drei Mal Chemo und dann darf ich zum Wochenende, zu Ostern, nach Hause und kann mit meiner Familie feiern. Direkt nach Ostern muss ich natürlich wieder her, pünktlich zu den einsetzenden Nebenwirkungen, die immer so ca. eine Woche nach der Chemo anfangen und mir versuchen das Leben schwer zu machen, was bisher zum Glück noch nicht so sehr der Fall war. Jetzt sitze ich also hier im Krankenhaus, mit noch leichten Schmerzen über der Brust, die ich ordentlich mit ekelhaftem Paracetamol unterdrücke und möchte eigentlich über ein ganz anderes Thema schreiben als diesen blöden Port. Ein viel schöneres Thema, was nichts mit Schmerzen oder Operationen zu tun hat: Perücken!
Perücken sind etwas so schönes und bringen unendlich viel Spaß, mir zumindest. Was ich noch einmal vorher loswerden möchte: Natürlich habe ich immer noch kein Problem mit meiner Glatze, das habe ich wohl schon das ein oder andere Mal bewiesen, ich fühle mich immer noch sehr wohl, auch ohne eine Kopfbedeckung. Aber ich denke jeder von uns würde sich wohler fühlen, wenn man nicht permanent angestarrt wird, getuschelt wird, oder einem einfach kalt um den kahlen Schädel ist, weil ganz ehrlich, wenn man sein Leben lang Haare hatte wird es ohne plötzlich ganz schön kalt um die Birne. Daher greife ich am aller liebsten, wenn ich unter Leute gehe versteht sich, zur Perücke oder zu Tüchern, die ich zu einem Turban wickle. Zuhause renne ich aber am liebsten einfach ohne Kopfbedeckung rum und wenn es schnell gehen muss macht es natürlich auch ab und an eine Mütze. 


Ich besitze zwei Perücken. Meine erste Perücke ist brünett und kommt vom Perückenmacher. Diese Perücke ist sehr natürlich und kaum jemand erkennt beim Tragen, dass es sich überhaupt um eine Perücke handelt. Dann habe ich noch eine just-for-fun Perücke, die ich mir einfach so, aus Spaß im Internet bestellt habe. Sie ist grau, weil ich eine Zeit lang unbedingt graue Haare haben wollte, es aber leider nie so funktioniert hat, wie ich es mir vorgestellt habe. Da dachte ich mir: Hey, warum nicht als Perücke, wenn sie scheiße ist, wen interessiert’s? Ich habe ja noch meine professionelle Perücke, die ich tragen kann.
Die brünette Perücke ist handgeknüpft und sitzt unglaublich gut auf dem Kopf. Ich spüre sie eigentlich nie beim Tragen. Kein Jucken, kein Zwicken, nichts. Preislich ist die Perücke natürlich auch wesentlich teurer, als mein grauer Selbstversuch. Die professionelle Perücke lag bei ca. 500 Euro. Und ihr denkt euch jetzt wahrscheinlich: Waaaaaaas? Aber ich kann ein bisschen für Beruhigung sorgen. Knapp 400 Euro vom Preis übernimmt die Krankenkasse, weshalb wir nur um die 100 Euro bezahlt haben. Ich bin ein Mathegenie, ich weiß. Jedem Krebspatienten, der durch die Chemo seine Haare verliert steht eine Perücke zu und je nach Krankenkasse wird ein bestimmter Wert übernommen. Eine gute Sache wie ich finde. Natürlich hätte ich auch eine Perücke nehmen können, die im Kassensatz liegt, aber wenn man schon krank ist, will man dann nicht auch Haare, mit denen man sich zu 100% wohl fühlt? Die Perücke habe ich von einem Perückenmacher hier aus Bremen. Eine sehr freundliche Frau ist dann extra zu mir ins Krankenhaus gekommen, um gemeinsam zu schauen, welche Modelle ich gut finde und was zu mir passt. Zu dem Zeitpunkt durfte ich das Krankenhaus ja noch nicht verlassen, so wurde mir die Perücke quasi ans Bett geliefert. Ich bin sehr zufrieden mit der Perücke. Sie ist sehr natürlich und wirkt gerade durch die Strähnen und den etwas stufigen Schnitt wie mein eigenes Haar und absolut nicht wie Kunsthaar. Ja, richtig gehört, auch die 500 Euro Perücke ist Kunsthaar. Allerdings ist die Perücke so gut verarbeitet, dass das absolut nicht auffällt. Das einzig problematische an der Sache ist, dass sie sehr empfindlich gegenüber Reibung ist, so ist Mütze tragen oder mal eben einen Zopf machen nicht drin. Dafür kann man sie waschen und pflegen und sie sieht wieder aus wie neu. 


Zu meinem kleinen Selbstversuch, der grauen Perücke: Für die habe ich richtig Geld gelassen, nämlich ganze 35 Euro. Wahnsinn, oder? Treibe ich mich glatt in den Ruin. Ich dachte mir einfach: Warum nicht ausprobieren? Und surprise, surprise so scheiße ist die gar nicht. Wie man auf den Bildern vom Deich sieht (auf denen ich sie trage), war die Perücke sehr lang und darum auch sehr schwer auf meinem Kopf. Ohne Mütze hat man sofort gesehen, dass es sich um eine Perücke handelt, auch wenn der Ansatz und der Scheitel eigentlich für solch eine „Billig-Perücke“ ziemlich gut verarbeitet sind. Die liebe Bianca hat mir dann den Gefallen getan und die Perücke etwas ausgedünnt und hat dem Ganzen eine Frisur verpasst. Und voila, wie eine ganz neue Perücke! Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal. Es ist so toll geworden! Sie ist jetzt überhaupt nicht mehr so schwer und sieht viel eher aus, wie richtiges Haar. Natürlich lange nicht so realitätsnah, wie die Perücke vom Perückenmacher, aber man kann sie jetzt wirklich gut tragen. Auch ohne Mütze. 
Wie schön ist es bitte sich jeden Tag verändern zu können? Mal rot, mal braun, mal blond. Je nach Gefühlslage. Einen Tag lockig und lang und einen Tag ganz kurz. Warum denn nicht und wann, wenn nicht jetzt? Man muss einfach das positive an der ganzen Situation sehen. Mich juckt es nicht unter einer Perücke (übrigens auch nicht bei der grauen), ich muss keine Haare krampfhaft unter der Perücke mit einem ätzenden Haarnetz verstecken, ich kann sie einfach aufsetzen und los. 
Als kleinen Tipp für die etwas billigeren Perücken: Der Ansatz ist tatsächlich für Leute gemacht, die Haare haben. Dann zieht man von sich noch ein paar „Baby-Haare“ am Ansatz raus und es sieht gleich viel natürlicher aus. Natürlich kann ich das nicht machen, ich muss irgendwie anders tricksen, und das mache ich natürlich auch. Der Ansatz der grauen Perücke ist schwarz und steht daher natürlich sehr im Kontrast zu einer Hautfarbe. Der Unterschied ist daher ziemlich hart. Da kann man ganz einfach mit einem Concealer nachhelfen. Einfach Ansatz und Scheitel ein bisschen aufhellen, sodass es wie Kopfhaut wirkt und gleich ist das Ergebnis viel natürlicher und wirkt realer. 
Ich habe so unendlich viel Spaß daran mich an neuen Frisuren und Schnitten auszuprobieren und mich ständig verändern zu können. 
Die graue, „billige“ Perücke wird ganz sicher nicht meine letzte bleiben, das kann ich versprechen. Da werden noch einige Farben und Schnitte folgen, je nachdem worauf ich gerade Lust habe.  

It’s all about the food.

Keine Möglichkeit zu schreiben, keine Möglichkeit etwas hochzuladen, quasi abgeschnitten von der Außenwelt. 
Na gut, so dramatisch war es vielleicht nicht, aber so hat es sich auf jeden Fall angefühlt. Ich melde mich nach einer längeren Zeit, von einem neuen Laptop in schmerzlicher Erinnerung an meinen alten, der mir aus meinem Zimmer 11 geklaut wurde. Bevor jetzt die oberschlauen kommen und meckern, ich bin mir sehr wohl bewusst, dass man im Krankenhaus seine Wertsachen nicht offen und ohne Aufsicht liegen lassen sollte, habe ich auch bis dato auch nie getan. Und so blöd es klingt, dann kommt diese eine Ausnahmesituation, du hast eine halbe Stunde keinen Blick dafür und deine Wertsachen sind weg. Handtasche, Geld, Laptop futsch. In den Nebenzimmern ein ähnliches Bild. Selbst auf der gegenüberliegenden Station. 
Was muss in einem vorgehen um auf einer Station zu klauen, auf der Menschen liegen, die mit dem Tod kämpfen? Wie egal muss einem alles sein, um Menschen zu beklauen, die eh schon Pech ohne Ende haben. Es geht nicht in meinen Kopf. Ich bin fit, mir geht es gut, ich bin körperlich nicht ein Stück beeinträchtigt, aber es gibt Menschen hier, die nicht so ein Glück haben wie ich, denen es nicht so gut geht und die beklaut man? Ich kann es nicht verstehen. Wie kann jemand das mit sich vereinbaren?  
Nach dem Diebstahl war ich einfach nur enttäuscht von der Menschheit. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass ich selber auch nicht ganz unschuldig am Verschwinden des Laptops war und trotzdem war ich in der Situation einfach nur schockiert zu was Menschen im Stande sind. 
Diese Entrüstung wurde mir aber schnell wieder genommen. Ich habe nicht wirklich vielen erzählt, was mir passiert war, doch unter denen, die es wussten und die es mitbekommen haben ist so eine Welle an Anteilnahme losgebrochen. Alle haben plötzlich überlegt wie das Problem gelöst werden könnte, damit ich wieder schreiben kann. Personen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen habe, die mich noch nie gesehen haben, sondern nur über meine Angehörigen von meiner Geschichte gehört haben, haben sich Gedanken gemacht.
Menschen sind eben doch gut! Wer auch immer hier in Bremen in Krankenhäuser einbricht und schwer kranken Menschen ihre Wertsachen klaut, ist für mich einfach nur menschlicher Abschaum, doch mir ist in den letzten Tagen so viel Gutes widerfahren, gerade weil alle so entrüstet und wütend über die Situation waren. Die Anteilnahme war überwältigend, sodass meine Wut und Enttäuschung gegen die Menschheit schnell wieder verflogen ist. 
Ein kompletter Text, viele Gedankengänge, die ich aufgeschrieben habe sind leider durch den Diebstahl verloren gegangen. Ich versuche sie aber so gut es geht wiederherzustellen, ich gebe mein Bestes. 
Kurzer gesundheitlicher Zwischenstand: 
Wieder kann ich sagen: Es geht mir gut! 3 Monate sind bereits um, 3 Chemoblöcke geschafft. Man arrangiert sich mit der Krankheit, viele Dinge werden zur Normalität und gehören mittlerweile einfach zum Leben dazu. Die Zeit rennt und das ist auch gut so. Mittlerweile bin ich die Zimmernachbarin, die anderen das Verhalten während der Krankheit und die Gewohnheiten im Krankenhaus erklärt, so wie es eben mir am Anfang auch alles erklärt wurde. Ich bin mittlerweile schon ein „alter Hase“, ob man das nach drei Monaten so sagen kann? Über den Stand meiner Therapie sind die Ärzte sehr zufrieden. „Normal wäre man an diesem Punkt erst nach dem 4. Chemoblock“, sowas hört man doch gerne. Dieser Block dauert zum Glück nicht allzu lang, 2 Wochen und die nähern sich gerade stark dem Ende. Eine klitzekleine Kleinigkeit, die gar nicht so klein ist wäre da noch: Ich hatte nie großartig mit Nebenwirkungen zu kämpfen, doch diesmal hat es mich wirklich erwischt. Mir war nicht übel, körperlich war ich zu jeder Zeit fit. Ich hatte keine Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen, nichts was ich vorher schon mal in irgendeiner Form hatte. Ich sah aus wie ein Hamster und das ist kein Witz. Von der Chemo wurden die Schleimhäute im Körper stark angegriffen und das vor allem im Mund. Auf meinem Speiseplan standen nur Joghurt und Leitungswasser, „das flutscht gut“, wie die Schwestern es so schön sagen. So gerne ich es auch wollte, essen war einfach keine Option. Ich wurde durch die Entzündungen quasi ruhiggestellt, sprechen war zeitweise wirklich schwierig für mich. Für alle anderen hier war der Punkt wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung, konnte ich nicht alle vollquatschen, wie sonst immer. Was noch dazu kommt, durch die Entzündung entsteht eine ziemlich hohe Speichelproduktion und ich war wirklich nur noch am sabbern, ich habe mich gefühlt wie ein Hund, unfassbar nervig immer in einem halben See aufzuwachen. 
Spaß beiseite, momentan kann ich wieder relativ gut essen. An besonders harte oder körnige Sachen wage ich mich noch nicht ganz ran, aber alles was schön weich ist und sogar Schwarzbrot habe ich schon gegessen. Mein Mund sieht auch nicht mehr aus als wäre ich ein mutiertes Nagetier, also es geht alles bergauf. War ja auch nicht anders zu erwarten. 
Über was ich eigentlich in diesem Post schreiben wollte, was ich auf meinem alten Laptop auch schon ewig fertig hatte ist das Krankenhausessen und worauf ich was Essen betrifft achten muss. Passenderweise, dass ich darauf die letzten Tage verzichten musste, werde ich jetzt mal versuchen zu beschreiben wie das hier läuft. So oft wurde ich gefragt wie ich das überlebe mit dem Krankenhausessen. „Ist es nicht furchtbar? Bekommst du das überhaupt runter?“, und ich kann wirklich sagen es ist nicht mal ansatzweise so schlimm, wie man sich es vorstellt. 
Essen ist so wichtig, gerade auch während der Therapie. Wenn es einem eh schon schlecht geht, weil man ja nicht gerade mit Glück gesegnet ist und dann auch noch schlechtes Essen bekommen würde, das wäre für mich der Supergau. Während meiner Therapie muss ich auf verschiedene Dinge achten, die meine Ernährung betreffen. Die ersten 7 Wochen hier musste ich sehr streng die Vorgaben befolgen und jetzt immer noch, wenn mein Immunsystem nach der Chemo heruntergefahren wird. Es geht darum, dass ich mich möglichst antibakteriell ernähre, damit ich mir nicht, wenn mein Immunsystem eh schon im Keller ist noch zusätzlich was übers Essen einfange. 
Jetzt folgt eine Liste an Lebensmittel, die Fenja nicht darf, aber ganz plötzlich unbedingt will, auch wenn sie manche Sachen davon vorher nie wirklich wollte: 

  • Rohes Fleisch: Macht für mich total Sinn. Mett ist dafür 2019 komplett tabu, ich leide auch nur ein bisschen. Das war gelogen, ich leide sehr. 
  • Roher Fisch: Ich kann auch das wirklich komplett nachvollziehen Bei Sushi haben ja schon gesunde Menschen oft Probleme mit, das sehe ich ein. 
  • Rohes Gemüse: Paprika, Salat, Tomaten, alles tabu. Ich muss gestehen, ich vermisse es wirklich sehr. Dass ich einmal sagen werde ich vermisse Salat ohne Ende hätte auch niemand gedacht, aber iss mal einen Burger, einen Döner oder ein Baguette ohne Salat, ist auch nicht mehr so geil. Esse ich alles trotzdem, also Burger, Döner und Baguette nur eben ohne Grünzeug. Gurke ist okay, die kann man schälen. 
  • Früchte ohne Schale: Himbeeren, Blaubeeren, alles an Beeren was einem so einfällt, Kirschen, Weintrauben und viele mehr. Alle Früchte, die ich schälen kann, darf ich auch essen, da dort keine Bakterien und Keine hingelangen. Im Frühling und Sommer werde ich frische Beeren vermutlich sehr vermissen, aber meine Wassermelone können sie mir zum Glück nicht nehmen.
  • Gorgonzola/Blauschimmelkäse: Erklärt sich denke ich von alleine. 
  • Nüsse: An Nüssen können sich Pilze und andere ekelhafte Dinge bilden. Aus dem Grund sollen wir auf keinen Fall Nüsse essen. Mal ganz ehrlich, ist mir egal, ich mag keine Nüsse. 
  • Parmesan: Mein Herz blutet. Auch hier können sich schnell irgendwelche bakteriellen Kulturen ansiedeln. Pssssst! Als ich mit meiner Mama Spaghetti gekocht habe, haben wir einen ganz frischen Parmesan aufgemacht und gegessen und oh Wunder, ich bin auch nicht gestorben. 
  • Camembert: Habe immer noch nicht ganz verstanden warum. Kann mir das zufällig jemand erklären? 
  • Pfeffer: WTF?
  • Stilles Wasser: Das stille Mineralwasser dürfen wir hier tatsächlich nicht trinken, weil zu viele Bakterien darin sind oder sein können. In unseren Badezimmern auf der Station wird das Wasser gefiltert, falls wir also mal kein Bock auf Kohlensäure haben sollten, können wir das trinken. 
  • Chips: Das Paprikagewürz auf Chips soll wohl auch irgendwie bakterienbelastet sein. 
  • Mayo/Remoulade/Hollandaise: Und das schlimmste kommt zum Schluss. Überall hier werden rohe Eier oder rohes Eigelb verarbeitet. Das darf ich natürlich auf gar keinen Fall essen und es ist wirklich schwer. Ich bin absolut klein Ketchup-Mensch und vermisse meine Pommes mit richtig schön Mayo. Und auch hier muss ich zugeben bin ich schon schwach geworden und habe eine ganz frische Packung Remoulade gekauft, sie ganz neu geöffnet, weil mal ganz ehrlich, ein Baguette ohne Remoulade? In der Spargelzeit ohne Hollandaise? Ich will gar nicht drüber nachdenken.

    Das Essen allgemein hier im Krankenhaus ist voll in Ordnung. Es gibt Tage da schmeckt es wirklich lecker und Tage, an denen du dich fragst „was zur Hölle?“ Ich muss sagen, als ich im ersten Krankenhaus war, ich nenne mal keine Namen, dachte ich, ich muss verhungern. Das war so furchtbar, das Fleisch hat original geschmeckt wie Pappe und dazu gab es dann drei Kartoffeln die kleiner nicht hätten sein können. Hier in Bremen ist das zum Glück überhaupt nicht so. Hier war ich also wirklich einfach nur erleichtert, dass keine Pappe serviert wird. Aus vier Gerichten kann ausgewählt werden und eigentlich ist auch immer etwas dabei, was mir schmeckt. Ich bin da aber auch wirklich nicht wählerisch. Sollte doch mal keins dabei sein, organisiere ich mir einfach selber etwas und fertig. Nach ca. 5 Wochen wiederholt sich der ganze Spaß hier, also eigentlich ist es immer das Gleiche. Ab und an kommt mal ein Gericht dazu aber im Großen und Ganzen kann man sich sicher sein, dass sich alles nach bestimmter Zeit wiederholt. 
    Frühstück und Abendbrot sind immer gleich. Man kann es zwar umbestellen, aber wer macht das schon jeden Tag? Zum Frühstück habe ich ein Weizenbrötchen und ein Schwarzbrot und zum Abendbrot nur Schwarzbrot und das ist völlig in Ordnung. Aufschnitt organisiere ich mir selber, die Wurst hier hängt mir wirklich zum Hals raus und wenn ich meine Zeit schon im Krankenhaus verbringen muss, mache ich das wenigstens mit Essen, das mir schmeckt. Oft hole ich mir natürlich auch was, gefühlt habe ich schon alle Dönerbuden, Pizza-Männer und Hähnchenwägen in der Umgebung ausprobiert. 
    Und weil man sich unter Krankenhausessen meist wirklich das Schlimmste vom Schlimmsten vorstellt, hier eine Galerie, die hoffentlich das Gegenteil beweist. Geschmeckt hat es jedenfalls. 

Die Feste müssen gefeiert werden.


„So Frau Harms, willkommen zurück. Wir starten morgen den dritten Chemoblock. Der wird im Übrigen der gewöhnlich schlimmste Block in der gesamten Therapie.“ – Wow, sowas hört man natürlich gerne, wenn man gerade schön von Zuhause kommt, es einem prächtig geht und die Werte, wie die Schwester es nannte „traumhaft“ sind. „Bei den meisten Menschen zeigen sich die Nebenwirkungen indem der Mundbereich sehr gereizt wird oder sich auch entzündet, sodass das Essen zu einer richtigen Tortur wird.“ Natürlich war es das nicht und als wäre es nicht schon unangenehm genug wird auch der Magen-Darm-Trakt gerne und häufig stark angegriffen, sodass man sowieso keinen Hunger hat. Essen muss man natürlich trotzdem, sonst geht die Magenschleimhaut kaputt. Na, wenn es sonst nichts ist. Immer mit dem kleinen Sätzchen versehen: „Aber hey, es kann passieren, muss aber nicht. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, aber vielleicht auch nicht“. Vielen Dank für diese klare Aussage, das hilft ungemein, oder halt auch nicht. 
Bevor das Ganze hier nur in Gemecker und Gejammer ausartet, keine Angst, trotz dieser nicht ganz so rosigen Aussichten wäre ich ja nicht ich, wenn ich dennoch ziemlich entspannt an die Geschichte herangehen würde. Ich habe nämlich eine Kleinigkeit, die das Ganze fast unwichtig erscheinen lässt. Dieser wahrscheinlich super ätzende Block dauert nur traumhafte 2 Wochen, das heißt Zeit Zuhause ist schon wieder in greifbarer Nähe und es ist ein wundervolles Gefühl.
Zum ersten Mal bekomme ich eine Chemo, die 24 Stunden dauert, 23,5 Stunden um genau zu sein. So ein schön ätzend gelbes Zeug, dem man schon direkt ansieht wie giftig es doch ist. Da die Chemo auch tatsächlich genauso giftig ist, wie sie aussieht muss sie bis zum letzten, klitzekleinen Tropfen meinen Körper wieder verlassen, und das unbedingt. Dazu wird mir noch eine minimale Menge von ach nur ca. 29399283 Litern nebenbei angehängt und ständig durch meinen Körper gepumpt. Es werden sicher super spaßige Tage und auch spaßige Nächte. Eigentlich könnte ich mein Bett ins Badezimmer schieben und dort meine Zeit verbringen, spart mir das ganze hin und her laufen, versteht sich. Als netten Nebeneffekt und Traum jeder Frau wird man noch zur Kontrolle 3 Mal täglich gewogen um zu schauen wie gut das Wasser den Körper wieder verlässt, nicht dass ich dicke Füße oder dicke Beine bekomme, das will hier denke ich keiner. 
Die Zeit hier im Krankenhaus rennt schon wieder. Es ist wirklich schwer vorstellbar, trotz dass man quasi nicht wirklich etwas macht ist hier immer etwas los. Es ist immer entweder Besuch da, es gibt etwas zu Essen oder die Schwestern wuseln um mich herum. Die Tage verfliegen und das ist auch gut so. 

Warum heißt dieser Post jetzt „Die Feste müssen gefeiert werden?“, welche Feste? Es gab eine Zeit hier im Klinikum, auf der Station, die für mich sehr besonders war. Ich schätze mich froh, dass diese Zeit um ist, da sie sehr anstrengend und ätzend war. Es ging mir in dieser Zeit auch wesentlich schlechter als momentan, doch sie war an den benannten Festen wirklich besonders. Es geht um Weihnachten, Silvester und meinen Geburtstag, die ich alle samt hier auf meinem Zimmer 11 verbracht habe. Klingt es nicht traurig? Weihnachten ohne Tannenbaum, ohne die ganze Familie, ohne das Traditionelle Essen, ohne die ganzen Gewohnheiten, die man sein ganzes Leben lang schon macht. War es aber ganz und gar nicht! Dank meiner großartigen Familie war Weihnachten trotz der gegebenen Umstände unfassbar schön, familiär und besinnlich.  Zu dem Zeitpunkt war ich sehr stark isoliert, dass hieß also wir mussten aufpassen, was das Essen anging und wir stellten uns vor allem die Frage: Was zur Hölle können wir machen, das ich essen darf, was also antibakteriell ist, aber trotzdem noch lecker schmeckt? Ist ja immerhin Weihnachten. Wir, meine Familie und ich, kamen schnell auf den gemeinsamen Nenner, dass wir ein kaltes Buffet machen wollten. Auf der Station gibt es zwar eine Mikrowelle, aber macht mal 5 Gerichte nacheinander warm, da ist der erste schon satt, bevor der letzte überhaupt angefangen hat zu essen. So machte sich jeder der Heiligabend hier verbrachte, meine Mama, mein Papa mit seiner Lebensgefährtin und mein Freund, sich zur Aufgabe etwas leckeres mitzubringen, das ich auch essen durfte. An Heiligabend räumten wir noch einen zusätzlichen Tisch ins Zimmer und es entstand ein riesen großes, kaltes Buffet mit Pizza-Schnecken, Chickenwings, Nudelsalat, Mini-Würstchen, Käsewürfeln und vielem mehr. Natürlich viel zu viel, aber auch unglaublich lecker. Meine Bettnachbarin steuerte noch Kinderpunsch dazu und wir spielten Kartenspiele. Es war wirklich wunderschön! Selbst die Schwerstern waren ganz Baff „Sowas hat es hier noch nie gegeben“. Am 1. Weihnachtstag kam dann auch die restliche Familie, es war so auch auf Zimmer 11 doch ein wenig besinnlich. Selbstverständlich habe ich auch viele, schöne Geschenke bekommen, doch das rückte in diesem Moment total in den Hintergrund. Die Mühe, die meine Familie und mein Freund sich machten war mit Abstand das größte Geschenk.

Silvester folgte natürlich auch schnell. Man muss dazu sagen, dass ich nicht den größten Wert auf Silvester lege. Meiner Meinung nach sind die Erwartungen an den Abend immer viel zu hoch und im Endeffekt wird es dann immer blöd. Ich habe meist sowieso nicht so Glück mit dem Abend, habe die letzten Jahre mich gerne auf die Klappe gelegt und konnte so meinen Neujahrstag in der Notaufnahme verbringen, das muss natürlich auch nicht sein. So war mir Silvester also eh nicht so wichtig und doch wurde auch dieser Abend zu einem kleinen Highlight. Den Tag ging es mir nicht ganz so gut, ich war sehr kaputt und kurzatmig, trotzdem freute ich mich sehr auf meine Familie. Die gleiche Kombi, wie schon an Weihnachten. Wir machten uns abends „Brotzeit“ mit leckerem Ciabatta, mit verschiedenem Käse und leckerer Salami und holten noch etwas zum Naschen. Es war ein super zwangloser, und witziger Abend. Gegen halb 11 gingen alle bis auf meinem Freund, da ich doch ziemlich übermüdet war. Dieser blieb noch bis ungefähr 0:30 Uhr und auch wenn es jetzt ein bisschen kitschig klingt, nach einem halben Monat absolut 0 Körperkontakt, um 0 Uhr die erste Umarmung zu bekommen war vermutlich der beste Start ins Jahr 2019, den ich hätte haben können. Man gewöhnt sich dran, dass einen niemand berühren darf, doch dieser Moment war wirklich einmalig schön. Mein Freund verbrachte dann seinen Restabend in Bremen mit seinen Kumpels, während ich um 0:30 brav und auch sehr müde ins Bett gefallen bin. 
16 Tage später folgte dann der nächste Programmpunkt meines persönlichen „Krankenhaus-Event-Kalenders“: Mein Geburtstag! Und auch hier denkt man sich wieder: „Boah, wie ätzend, Geburtstag im Krankenhaus, ist ja scheiße“, falsch gedacht! Nicht mit diesen Freunden und dieser Familie. Auf der Station ging der Tag schon ziemlich gut los, die Schwestern wussten natürlich, dass ich Geburtstag hatte und brachten mir ein bisschen Schoki direkt ans Bett, was wirklich süß war. Früh morgens kamen auch schon 2 Freundinnen, gegen Mittag dann meine Mama und noch 3 Freunde. Dann folgten noch meine Tante und meine Cousine. Zwischendurch traf dann noch mein Papa mit seiner Freundin ein und abends noch mein Freund. Den ganzen Tag über war ich abgelenkt. Ich glaube so wenig Zeit wie an diesem Tag habe ich keinen anderen auf meinem Zimmer verbracht. Es war großartig! Es gab Benjamin Blümchen Torte, ganz viel Schokolade und Naschkram und später holten wir noch beim Gyros-Mann unseres Vertrauens lecker Essen. Ja, man hat hier viel Zeit alles Essbare in der Umgebung auszutesten. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich Zuhause vermutlich nicht so viel Aufmerksamkeit gehabt, wie hier. An diesem Tag drehte sich wirklich alles um mich, und ich habe es in vollen Zügen genossen. 

Die nächste Feierlichkeit, die bevorstand war nun die goldene Hochzeit der Großeltern meines Freundes und ich hatte immer noch keine Ahnung wann und wie lange ich das Krankenhaus endlich mal verlassen darf. Natürlich wäre es schön endlich eine Veranstaltung außerhalb des Krankenhauses wahrzunehmen, endlich sich auch mal wieder richtig fertig machen zu können, sich richtig schick machen, aber sicher war natürlich wie immer nichts. Die Hochzeit sollte am 02.03. stattfinden, also noch soweit in der Zukunft, dass ich zu keinem Zeitpunkt genau sagen konnte, ob es klappt oder nicht. Zum Glück hat es genau gepasst. Endlich Ausgang, 2,5 Wochen und am 04.03 sollte es zurück gehen. Passte also genau. Einfach auf einer Feier spaß haben, sich den Magen vollschlagen, quatschen und eine gute Zeit haben, das sind so Dinge, die man wirklich schätzen lernt. Natürlich ganz ohne Alkohol und es bringt trotzdem Spaß ohne Ende.
Jetzt stehen die nächsten Chemos vor der Tür. Es wird vielleicht unschön, vielleicht auch nicht, garantiert wird einem hier nichts. Man kann bloß so gut es geht gegenarbeiten. Momentan geht es mir noch sehr gut und ich merke nichts, ich stehe aber auch noch ganz am Anfang des dritten Blogs. Die ersten Werte meines Knochenmarks sind schon eingetroffen und zum Glück wieder einmal durchweg positiv. Das gibt wie immer unendlich viel Kraft. 
Um beim Thema zu bleiben, Ostern steht vor der Tür und somit auch gleichzeitig der Geburtstag meiner Mama und der meines Freundes. Vielleicht kann ich ja wenigstens ein paar dieser Tage in Freiheit verbringen, Daumen drücken! 

  • Blazer: Hallhuber
  • Kleid: Only
  • Gürtel: Moschino
  • Kette: H&M
  • Schuhe: Sacha Shoes
  • Mütze (auf dem letzten Bild): Canada Goose
  • Pulli & Rollkragen: H&M & Zara

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