Bemerkenswert

Kreativität & Vorsicht.


Einige Wochen sind vergangen und was soll ich sagen? Es gab bisher auch einfach nichts zu erzählen. Meine Aktivitäten in der letzten Zeit lassen sich auf spazieren, kochen, backen, putzen und Sonne tanken reduzieren. Natürlich hocke ich nicht nur auf der Couch, sondern gehe auch vor die Tür, um mich zu bewegen. Es geht so schnell, dass der Körper Muskeln abbaut und das kann ich wirklich nicht noch einmal gebrauchen. Aus dem Grund soll ich sogar vor die Tür gehen, natürlich am besten ganz alleine und mit reichlich Abstand zu anderen Menschen. 

Einmal die Woche steht auch der Besuch beim Wochenmarkt an. Ich habe mir da einen kleinen Trick überlegt, der vermutlich nicht für jeden etwas wäre. Langschläfer kommen hierbei eher nicht auf ihre Kosten. Mein Tipp: So früh hingehen, wie es nur geht. Für mich heißt es so ca. 7:30Uhr, da bin ich dann fast komplett alleine und kann alles was ich brauche in Ruhe besorgen. Gehe ich dann gegen 10Uhr raus ist der Markt tatsächlich ziemlich voll und das wäre mir einfach zu riskant. 
Da meine Reha auf der Kippe steht, beziehungsweise es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie stattfindet, bin ich auf den „Sport-Zug“ mit aufgesprungen und gehe mehrmals die Woche Joggen. Ich muss zugeben: Gerne mache ich das nicht, aber nichts tun ist für mich keine Option. Ich fühle mich heute so fit, wie lange nicht mehr und das ist so ein fantastisches Gefühl. Quasi Reha von Zuhause. 


Häufig vergesse ich tatsächlich einfach was da draußen momentan eigentlich so los ist und werde unvorsichtig. Das Wetter lädt natürlich dazu ein nachlässiger zu werden und die Corona-Vorsichtsmaßnahmen zu „vergessen“. Ich kann das absolut nachvollziehen, es ist ja auch einfach nur menschlich bei der wundervollen Sonne nicht in der Bude hocken zu wollen, geht mir ja genauso. Jedoch hat es nichts damit zu tun sich trotz der Regelungen in Gruppen mit 5-6 Personen, häufig auch mehr, zu treffen und auf alles zu scheißen. Die Vorkehrungen werden zwar momentan gelockert, jedoch heißt es noch lange nicht, dass jetzt alles vorbei ist. Es ist ein absoluter Irrglaube zu denken, dass der Virus weg ist. Wenn wir danach gehen würden, wäre die Pandemie bald schneller und stärker zurück, als vorher. Ich weine um den Festival-Sommer. Ich weine um all die schönen Veranstaltungen, die diesen Sommer nicht stattfinden können. Ich weine um Deichbrand, ich weine um den Musiksommer im Fischereihafen und ich weine um die Sail. Endlich wieder loslegen zu können, endlich wieder Spaß haben, endlich wieder auch solche Veranstaltungen genießen zu können, wie alle anderen. Das war der Plan für dieses Jahr. 2020 wird mein Jahr habe ich gesagt und dann kam Corona. Doch was bringt das Meckern? Nichts, richtig! Ich bin traurig, ich bin wahnsinnig traurig, doch weiß ich auch, dass es mir dieses Jahr gut gehen wird und das macht es schon zu meinem Jahr. Auch ohne Veranstaltungen werde ich diesen Sommer in vollen Zügen genießen und jeden Moment versuchen so schön wie möglich zu machen, ohne mein Umfeld, meine Familie oder mich selbst zu gefährden.

Ich vermisse meine Familie und ich vermisse meine Freunde, doch bin ich nicht alleine und dafür bin ich unendlich dankbar. Wann kann man sich wieder ohne Bedenken besuchen? Wann muss man nicht mehr sein Leben nach diesem Virus ausrichten? Ich bin gespannt und kann es kaum erwarten. Doch trotz meiner Ungeduld heißt es jetzt weiter durchhalten und die Füße stillhalten. 
Der Sommer kommt trotzdem und er wird trotz dieses ganzen Spukes ein toller Sommer, den wir so schnell nicht vergessen werden, da bin ich mir sicher! Kopf in den Sand stecken hat noch nie jemandem etwas gebracht. Kreativität und trotz allem Vorsicht sind jetzt angesagt, um den Sommer 2020 zu einem Schönen zu machen.

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Ganz frisch 2 Artikel zu meiner Geschichte in Verbindung mit Corona:
https://www.bild.de/regional/bremen/bremen-aktuell/fenja-23-sie-hat-leukaemie-besiegt-jetzt-hat-sie-angst-vor-corona-70141878.bild.html

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bloggerin-aus-bremerhaven-kennt-soziale-distanz-durch-ihre-krebserkrankung-_arid,1909113.html

https://www.norderlesen.de/Leute/Moin-Fenja-Harms-Kaffee-Talk-40687.html

Zuhause.


Die Zeit vergeht so schnell und es überschlagen sich die Ereignisse. Jetzt sitze ich hier zwischen all den Kartons, die sich in der kleinen Wohnung gefühlt bis unter die Decke stapeln. Ein normales „durch die Wohnung laufen“ ist nicht möglich. Es herrscht Chaos. Und trotzdem denke ich an alle Momente zurück. 

Nach dem Feiern sind wir hergekommen um hier zu pennen. Immer wieder haben wir mit unseren Leuten hier zusammen gesessen und gelacht. 

Ich weiß noch, als ich das erste Mal hergekommen bin und mir dachte: Verdammt ist das schön hier. Außen Pfui, innen Hui. Wir hatten so viel Spaß hier, bis ich dann krank wurde. 

Du hast mich hier aufgefangen und schnell wurde es zu meinem Zuhause. Quasi zwangsläufig und ungeplant sind wir dann zusammengezogen. Du hast mir hier ein Zuhause geschenkt, einen Ort auf den ich mich freuen konnte, wenn ich aus dem Krankenhaus kam. Doch vor allem Du hast ihn zu meinem Zuhause gemacht. 

Niemand hätte je gedacht, dass wir sowas durchmachen müssen, doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Alles verändert sich und wir können einen großen Teil der Geschichte hinter uns lassen. Es öffnet sich ein neues Kapitel, auf das ich mich unendlich freue. Neuer Job, neue Wohnung, neues Leben. Ich freue mich auf die neue Wohnung, für die wir uns selbst entschieden haben, wir selber und kein zwangsläufiger Umstand. Ich freue mich auf all die neuen Momente, die auf uns zukommen. 

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlasse ich unser kleines Zuhause um weiterzuziehen. Mir bleibt nichts Anderes, als Danke zu sagen. Danke, für den Zufluchtsort, den du mir gegeben hast, als ich ihn gebraucht habe. 

Auf eine strahlende Zukunft in einem neuen Zuhause, welches wir mit guten Erinnerungen füllen werden. 

Corona hier – Corona da – Corona überall.


Da man dem Thema momentan wirklich nicht aus dem Weg gehen kann und es einem wirklichen zu den Ohren heraus hängt, gebe ich auch ein kurzes Statement zu meiner Situation ab. Wirklich kurz, versprochen!
Ich habe Angst. Die Unsicherheit was auf uns zu kommt und die Inkonsequenz der Menschen macht mich ratlos. Wie kann man so egoistisch sein und die Lage so herunterspielen? Was sich auf Facebook, Instagram oder auch in meinem Umfeld in den letzten Tagen abgespielt hat macht ich wirklich fassungslos. Ja, ich gehöre zur Risikogruppe und ja, ich gebe zu, ich habe Angst. Angst vor einem Virus, der wieder Krankenhaus bedeuten würde. Im schlimmsten Fall Beantmung. Wieder Leid. Leid, das ich gerade überwunden habe. Leid, das ich nicht mehr spüren möchte und niemandem wünsche. Jeder Aufenthalt im Krankenhaus ist für mich das Grauen. Das muss ich momentan nicht haben.


Das Letzte was ich möchte ist Panik verbreiten, das sollte niemand, doch der Egoismus der Menschen kotzt mich an. Sowohl die Seite an Personen: „Ich lasse mir nicht verbieten raus zu gehen – und gehe trotzdem in überfüllte Bars und trinke aus schmutzigen Gläsern“ – als auch „ich kaufe 100 Rollen Klopapier und 100 Packungen Nudeln – Hauptsache ICH überlebe das“.
Wie schwer kann es sein für eine kurze Zeit Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen und nur für das Nötigste sich unter Menschen zu begeben? Man überlebt es. Ich verspreche es! Während der Chemo war ich quasi dauerhaft über ca. ein halbes Jahr in diesem Zustand und habe öffentliche Verkehrsmittel und Veranstaltungen gemieden. Ich habe mir viel die Hände gewaschen und desinfiziert. Feiern war schon gar nicht drin. Habe ich es geschafft? Natürlich! Und das schafft jeder andere auch.
Jeder von uns hat Menschen in seinem Umfeld, die zur Risikogruppe gehören und so auf unsere Besonnenheit angewiesen sind. Jeder von uns sollte jetzt nicht nur an sich denken, sondern seinen Teil leisten, dass der Virus sich nicht weiterhin so verbreiten kann. Es muss Stück für Stück zurück gehen, damit wir unser normales Leben wieder zurück gewinnen können.
„Ich gehe jetzt ein letztes Mal feiern solange es noch geht.“ – Je eher alle mal den Arsch Zuhause behalten, desto schneller könnt ihr auch wieder feiern gehen, essen gehen, shoppen gehen und und und ohne Menschen dadurch zu schaden.

Ich bleibe Zuhause! Nicht nur, weil ich zur Risikogruppe gehöre, sondern weil ich Menschen in meinem direkten Umfeld habe, die noch viel mehr gefährdet sind und genau die möchte ich auf keinen Fall in Gefahr bringen.

Habt euch lieb – verbringt Zeit miteinander in kleinen Gruppen und genießt die Zeit Zuhause. Ein bisschen Nichts tun hat noch niemandem geschadet. Erholt euch vom Alltagsstress und denkt an eure Mitmenschen. Zusammenhalt ist angesagt!

Sportskanone.


Die Monate vergehen so schnell. Die vermutlich schlimmste Zeit meines Lebens rückt immer weiter in die Vergangenheit. „Es ist so schön, dass du es geschafft hast“, höre ich so oft. Klar ist der schlimmste Teil vorbei, doch geschafft ist es für mich erst, wenn nach 5 Jahren die Ärzte sagen: „Sie sind gesund.“ 
Ich werde immer fitter, sowohl mental als auch körperlich. Mein Chemohirn und die damit verbundene Vergesslichkeit kommt kaum noch vor. „Mein Hirn ist ein Sieb“, gehört immer mehr zur Vergangenheit. 

Eine große Sportlerin war ich nie, doch brauche ich den Sport jetzt so sehr, wie noch nie zuvor. Während der Chemotherapie sind die Kilos so gepurzelt und ich habe 10kg abgenommen. Gefühlt 10kg an Muskeln. Ich war und bin zwar schlank, aber meine Haut war überhaupt nicht straff, sondern eher schwabbelig. Dinge, wie Treppen steigen oder gar rennen wurden zu einer großen Hürde. Einfach mal kurz ein paar Meter rennen ging gar nicht mehr, meine Beine wären so weggeknickt. 

Mannschaftssport ist überhaupt nicht meins und die Überwindung zum Joggen fällt mir doch noch sehr schwer. Meine neu entdeckte Leidenschaft ist das Schwimmen. Mindestens einmal die Woche versuche ich für eine Stunde Bahnen schwimmen zu gehen. Dabei kann ich abschalten, mich fokussieren und bin ganz bei mir. Vielleicht ist es auch, weil es mir während der Intensivtherapie strengstens verboten wurde, denn wie sagt man so schön: „Der Mensch will immer das, was man nicht haben kann.“ 
Es ist so wohltuend. Erst richtig Bahnen schwimmen und dann noch im warmen Becken einfach abschalten und entspannen. Für mich ein kleines Wochenhighlight.

Beim Schwimmen ist es vor allem gut, dass ich erst hinterher merke, was ich getan habe und nicht wie zum Beispiel beim Joggen schon halb sterbe, währenddessen ich noch unterwegs bin. Es tut einfach gut. 


Sport war für mich immer eine Last und ich habe es nie gerne gemacht. Die große Sportlerin werde ich vermutlich auch nicht mehr, aber ich habe etwas gefunden, was mir hilft meinen Körper wieder zu stärken. Wenn man absolut keine Muskeln mehr hat kann man total schön sehen, wie es immer mehr wird und wie man immer fitter wird, so soll es weitergehen. Ich genieße jede Bewegung und entdecke endlich das Schöne am Sport. 

Zwei Mal die Woche gehe ich mittlerweile für ein paar Stunden arbeiten, auch das tut einfach gut. Produktiv sein und feste Termine zu haben, auf die ich mich einstellen kann ist wunderbar. Hätte man mir noch vor 2 Jahren gesagt, wie sehr ich mich über Sport und Arbeit freuen würde, hätte ich die Person auf jeden Fall ausgelacht. Über sowas kann man sich doch nicht freuen – Doch, kann man! 

Das Krankenhaus rückt immer mehr in den Hintergrund. Einmal die Woche muss ich mich noch zur Blutkontrolle und Medikamentengabe dort für ein, zwei, höchstens drei Stunden blicken lassen. Es ist ein auch feststehender Termin, der definitiv zu meiner Woche gehört, an den ich absolut gewöhnt bin und der nach kurzer Zeit abgearbeitet ist und mir nicht unnötig viel Zeit raubt. Ich muss mich, bis auf die Medikamente, die ich noch nehme und immer noch jeden Freitag bekomme, kaum noch mit lästigen Behandlungen auseinandersetzten. Selbst Punktionen müssen nur noch alle drei Monate gemacht werden. 

Es ist so schön selber zu merken, wie man Tag für Tag stärker wird und auch bei körperlich anspruchsvolleren Aktivitäten nicht immer direkt raus sein zu müssen. 

Im Sommer geht’s richtig los und bis dahin genieße ich meine Zeit so gut es geht mit meinen Freunden und meiner Familie. Ich genieße aber auch die Momente, wie beim Schwimmen, in denen ich mit dem Kopf einfach nur bei mir bin und meine Gedanken einfach schweifen lassen kann. Diese Zeit für mich genieße ich und die brauche ich auch. Meiner Meinung nach tut man viel zu wenig für sich selbst. Es ist doch so leicht sich einfach mal eine Stunde zu nehmen, um sich etwas Gutes zu tun. Mir hilft es, mir geht es gut – sowohl körperlich als auch mental und ich bin unendlich froh das von mir behaupten zu können. Es geht in großen Schritten Richtung Gesundheit! 

P.S. Am 04. Februar, dem Weltkrebstag 2020 lief auf Sat1-Regional (Bremen-Niedersachsen) ein Beitrag über meine Geschichte. Ich bin unendlich dankbar, dass ich durch den Beitrag meine positive Einstellung weiter verbreiten – und hoffentlich dem Einen oder Anderen Mut machen konnte. Der Beitrag hat mich und meine Persönlichkeit unglaublich gut wiedergegeben und ich bin froh so offen reden zu dürfen. 
Wer den Beitrag noch nicht gesehen hat, kann ihn super gerne in der Mediathek von Sat1-Regional nachschauen: 

https://www.sat1regional.de/20-weltkrebstag-junge-bremerhavenerin-berichtet-vom-kampf-gegen-leukaemie/

Die Feste feiern, wie sie fallen.


Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Was bleibt einem schon groß anderes übrig, wenn man eingesperrt ist? Nicht feiern? Keine Option. Heute, ein Jahr später bin ich froh, dass wir trotz Krankheit, trotz Isolation das Beste aus den wichtigen Tagen im Jahr gemacht haben.
Weihnachten, Silvester und Geburtstag im Krankenhaus. Was für eine Scheiße. Es ist furchtbar, da brauche ich nicht groß drum rumreden. Das Krankenhaus ist nicht der Ort, an dem sich jemand aufhalten sollte über Weihnachten & co., jedoch kann man es sich manchmal einfach nicht aussuchen. Meine Feiertage im letzten Jahr könnten im Vergleich zu 2018 nicht verschiedener gewesen sein. Genau das ist auch gut so. 

Wie das Schicksal es wollte bekam ich meine Diagnose kurz vor Weihnachten. Schöne Bescherung, aber man nimmt es an und funktioniert. Die kompletten Feiertage, wie Heiligabend, 1. Weihnachtstag, 2. Weihnachtstag & Silvester musste ich also zwangsläufig im Krankenhaus verbringen. Soll ich was sagen? Ich denke nicht, dass jemand auf dieser Station die Feiertage, trotz Gefangenschaft, jemals so schön verbracht hat, wie ich. Meine Eltern, die Freundin meines Papas und mein Freund kamen an Heiligabend zu mir ins Krankenhaus. Wir bauten ein tolles Buffet auf, aus verschiedenen Dingen, die ich essen durfte. Zu der Zeit war meine Ernährung noch sehr streng eingeschränkt und ich musste zu 100% antibakteriell essen. Es gab Pizzaschnecken, Chickenwings, Käsewürfel, kleine Würstchen, Baguette, Nudelsalat und noch weitere Kleinigkeiten. Sogar Kinderpunsch steuerte meine damalige Bettnachbarin bei. Niemand von uns hätte sich auch nur im Geringsten vorstellen können einmal so Weihnachten zu feiern und trotz aller Sorgen und Schwierigkeiten, die wir zu der Zeit hatten, gab sich jeder in meinem Umfeld so unglaublich viel Mühe, um mir schöne Tage zu ermöglichen. Es war ungewohnt. Ganz anders als sonst, aber es war irgendwie auch sehr schön. Wir waren beisammen, haben zwar unkonventionell, aber lecker gegessen und hatten eine schöne Zeit. Das war für mich die Hauptsache. Das war Weihnachten. An solchen Tagen erkennt man meiner Meinung nach erst wirklich den Sinn von Weihnachten und was die Feiertage eigentlich wirklich ausmacht. Es sind nicht die Geschenke, von denen ich nebenbei bemerkt eine Menge das Jahr bekommen habe, mich aber an nur wenige tatsächlich erinnere, weil sie in meinem Kopf einfach nicht im Vordergrund standen. Es ist nicht die dicke Weihnachtsgans, oder das Schickmachen. Es ist das Beisammensein, was für mich zählt und vor allem in 2018 einen sehr hohen Stellenwert für mich hatte.

Am 1. Feiertag wurde mein Krankenzimmer dann rappelvoll, da meine Familie mich besuchte. Ein komisches Gefühl, da wir normalerweise über Weihnachten immer im Urlaub waren, um die Tage wirklich beieinander zu sein. Auch für dieses Jahr war ein kleiner Urlaub geplant, der dann kurzer Hand gekänzelt wurde. Die Familie um sich zu haben ist einfach wundervoll und so wurde auch der erste Weihnachtstag im Krankenhaus für mich Ereignisreich. Abends bekam ich sogar von meinem Freund ein zweites, kleines Weihnachtsessen: Er holte bei einem Lieferdienst schön fetten Nudelauflauf für mich.  

Ich bin ganz ehrlich, so schön das alles auch klingen mag, natürlich konnte meine Familie und mein Freund trotz aller Mühen nicht 24/7 an meiner Seite sein. Mein Freund hat natürlich auch eine Familie, die ihn an Weihnachten sehen möchte. Meine Mama verbringt selbstverständlich auch Zeit mit meiner Familie, die auch nicht mit alle Mann den ganzen Tag auf meinem Zimmer hocken konnte und durchaus war ich auch krank und immer wieder erschöpft. Es gab Momente, wenn ich dann alleine im Krankenhaus lag und Weihnachtsfilme geguckt habe, die ich sonst gemeinsam mit meiner Familie auf der Couch schaute, an denen ich wirklich traurig war und mich zu ihnen gewünscht habe. Ich habe mir immer wieder gesagt: Nächstes Jahr möchte ich mit allen zusammen sein, mit meiner Familie, mit meinem Freund und auch mit seiner Familie. Nächstes Jahr möchte ich in meiner Heimat feiern, was wir schon jahrelang nicht mehr gemacht haben. Nächstes Jahr möchte ich zu Hause feiern, ohne einen Gedanken ans Krankenhaus zu verschwenden. Und genau so ist es 2019 gekommen. 

Letztes Jahr habe ich quasi für zwei Weihnachtsfeste gefeiert. Es war mein Weihnachten, so wie ich es mir gewünscht habe und es war wundervoll. 

Vielen Menschen ist Weihnachten egal, es stresst sie und wird eher als Qual betrachtet. Für mich habe ich gemerkt, ist es was ganz anderes. Ich genieße jeden Film, den ich gemeinsam mit meiner Familie schauen kann, genieße jedes leckere Essen, was wir uns gönnten (und bei Gott, dieses Jahr gab es wirklich viel) und genieße auch die Kirche am Heiligen Abend, die bei uns einfach Tradition ist. 
Ich habe das Gefühl 2019 habe ich nicht nur für zwei Weihnachtsfeste gefeiert, ich habe auch für zwei Weihnachtsfeste gegessen. Es gab so unfassbar viel und es war alles so unfassbar lecker über die ganzen Tage verteilt. Von Omas leckerem Lamm, über Raclette, Hering, sogar in meinem Lieblingsrestaurant waren wir, in dem es Steak gab, bis hin zur traditionellen Weihnachtsgans, wie ich sie schon erwähnt hatte, war alles dabei. Wenn ich es mir so durch den Kopf gehen lasse, müsste ich eigentlich nach all den Leckereien durch die Gegend rollen. Glück gehabt, alles noch im grünen Bereich. 
Ich habe Weihnachten in vollen Zügen genossen und habe mir alles gegönnt, was mir im Jahr zuvor verwehrt gewesen ist. An Heiligabend habe ich mich schick gemacht und am 1. Weihnachtstag bin ich sogar mit meinen Cousinen und meinen besten Freunden feiern gegangen. Es ist so eine schöne Entwicklung für mich selbst zu sehen, was ich geschafft habe. 2018 lag ich Weihnachten isoliert im Krankenbett und 2019 habe ich schon wieder die Tanzfläche gestürmt. Klar noch nicht mit 100%, aber ich habe es so sehr genossen. Weihnachten Zuhause war für mich einfach wunderschön und ich bin dankbar, dass ich in meiner Heimat mit all meinen Liebsten zusammen sein durfte.  Ich bin dankbar, dass ich mir letztes Jahr eben die dicke Weihnachtsgans gönnen durfte, aber trotzdem nicht aus den Augen verloren habe was am aller Wichtigsten ist: Die gemeinsame Zeit. 

Auf Weihnachten folgt Silvester und auch dieser Tag musste 2018 auf Station verbracht werden.  Und auch diesen Tag haben wir uns so gut es geht schön gemacht. Wir waren wieder die gleiche Truppe, wie an Heiligabend: Meine Mama, mein Papa, seine Lebensgefährtin, mein Freund & ich. Wir machten uns Kleinigkeiten zum snacken, spielten Spiele und hatten auch im Krankenhaus Spaß. Problem an Silvester: Das neue Jahr startet erst um 0 Uhr und um 22 Uhr war ich schon so erschöpft, dass nur noch mein Freund bei mir blieb und ich mit ihm bis um 0 Uhr wartete. Ich war isoliert, also musste entweder er Mundschutz tragen oder ich. Nichts Neujahrskuss, nichts Romantik. Er war bei mir und das war mir wichtig. Wir wussten beide 2019 wird besser und dann gibt’s auch den Neujahrskuss. 

2019 gab das Schicksal nochmal alles und mein Opa musste uns leider viel zu früh verlassen und was gibt es Wichtigeres als die Familie? Nichts, richtig! Meine Cousinen und ich entschieden uns das Jahr 2019 gemeinsam mit unserer Oma zu verabschieden und fuhren zu ihr, um mit ihr Fondue zu machen, was sie sonst immer mit unserem Opa gemacht hat. Wir schauten „Dinner-for-one“, aßen mal wieder super lecker und hatten einen schönen Abend. Es war wirklich toll, so konnte ich Silvester sowohl mit einem Teil meiner Familie verbringen, als auch mit meinem Freund und Freunden, zu denen ich dann gegen späteren Abend fuhr, um mir meinen Neujahrskuss abzuholen. Ich habe 2019 für mich sowas von abgehakt. Es war ein grauenvolles Jahr, voller Krankenhaus, Erschöpfung und anderes schrecklichen Dingen. So blöd es klingt und so oft man es vielleicht auch einfach daher sagt, aber: Es kann nur besser werden. 2020 werde bitte besser. Bitte, bitte, bitte. Wir habend jetzt erstmal genug ertragen. 

Kommen wir zum letzten wichtigen Fest (versprochen): Meinem Geburtstag. Da ich ein Januarkind bin, hatte ich natürlich auch das große Los gezogen nicht nur Weihnachten und Silvester, sondern auch noch meinen Geburtstag in Gefangenschaft zu verbringen, Juhu! Eins kann ich sagen, ich glaube ich hatte noch nie so viel Besuch. Ich war schon richtig überfordert von der Menge an Leuten, die mich an dem Tag besuchten. Es fing mit meiner besten Freundin und einer anderen guten Freundin morgens an und ging mit meiner Mama weiter, es kamen Freunde und Familie den ganzen Tag lang und abends dann mein Freund. Die obligatorische „Benjamin-Blümchen-Torte“ war dabei und ich hatte viel Spaß, doch stellt man sich für seinen Geburtstag einfach etwas anderes vor, als in diesem riesen Kasten gefangen zu sein. 

Morgen ist ein Jahr um, morgen ist wieder mein Geburtstag und ich könnte nicht glücklicher sein ihn nicht im Krankenhaus verbringen zu müssen. Heute sitze ich meinen wöchentlichen Krankenhausbesuch ab und dann geht’s wieder ab in die Freiheit. Ein Jahr ist dann wieder um und ich freue mich schon auf alles was jetzt kommt. Mit 23 fängt das Leben doch erst richtig an, oder nicht? 

Morgen und die ganze restliche Woche wird schön. Ich bin selbstständig, verbringe die Zeit mit meinen Liebsten und bin nicht mehr so unfassbar erschöpft, wie im Jahr zuvor. 23 ist doch ein fantastisches Alter, um so richtig durchzustarten. So schön man es sich macht, und so viel Mühe man sich gibt, ein Krankenhaus bleibt einfach immer ein Krankenhaus und Zuhause bleibt einfach Zuhause. Es war eine sehr komische Erfahrung die Tage auf Station zu verbringen und auch wenn wir viel Spaß hatten, wünsche ich das niemandem. Auch ich selber möchte keinen dieser Tage jemals wieder dort verbringen müssen. 
Ein sehr schweres Jahr ist endlich zu Ende und ich könnte mich nicht mehr auf die Zukunft freuen und auf alle Feste, die noch kommen. 

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Die langersehnte Nachricht.

Eigentlich hatte ich schon einen kompletten Beitrag für meinen Blog fertig geschrieben, doch heute kam dann alles ein wenig anders, als ich erwartet hatte. 
Die Erhaltungstherapie startet – endlich. Eigentlich sollte es schon Anfang der Woche los gehen, doch wegen Platzmangel auf meiner Station wurde es immer wieder verschoben, bis heute. Es muss weiter gehen, dachte ich mir die letzten Tage immer wieder. So schön es den letzten Monat ohne Krankenhaus war und so sehr ich die Normalität und selbst die Langeweile genossen habe, so sehr war immer noch der Gedanke in meinem Kopf, dass sich Leukämiezellen in meinem Körper befinden und immer noch nicht alles weg ist. Es muss weiter gehen, dachte ich nur. Es muss weiter gehen in Richtung Gesundheit. Der Krebs muss weg und das komplett.

Heute war es endlich so weit, die Erhaltungstherapie sollte starten. 
Die erste Nachricht, die der Arzt mir dann quasi zwischen Tür und Angel übermittelte: „Bei der letzten Punktion konnten keine Krebszellen mehr bei Ihnen gefunden werden. Es sind keine mehr da.“ – Wow! Natürlich muss immer noch gut drauf geachtet werden, es muss kontrolliert werden, und ich muss weiterhin starke Medikamente bekommen, aber Wow! – was für eine Nachricht. Was für eine großartige Nachricht! 

Ich habe mich den letzten Monat so normal gefühlt, überhaupt nicht krank. Tag für Tag habe ich gespürt, wie mein Körper stärker und kräftiger wurde. Tag für Tag konnte ich Dinge erledigen, auch anstrengende Dinge, ohne komplett erschöpft oder kaputt zu sein. Es fühlt sich einfach nur gut an. Selbst mit „Sport“ habe ich wieder ein wenig angefangen. Sport im weitesten Sinne… es sind kleine Übungen und Yoga für Anfänger, aber hey, immerhin. Selbst den Muskelkater genieße ich. Wie lange hatte ich bitte keinen Muskelkater mehr? Es ist verrückt. 

Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass es nach der letzten Chemo einfach nur wieder besser geworden sein kann, aber dass gar nichts mehr gefunden wurde hätte ich nicht erwartet. Es ist ein großartiges Gefühl.

Nach jeder Punktion immer wieder ein „Es ist besser geworden, aber immer noch nicht ganz weg“ war mittlerweile normal. „Bis zur Erhaltungstherapie bekommen wir die blöden letzten Krebszellen noch weg“, hat mein Arzt immer gesagt und siehe da – endlich! 

Es geht mir gut – wirklich gut. Nicht den Umständen entsprechend gut, sondern einfach gut. Ich kann wirklich nicht beschreiben was für ein fantastisches Gefühl es ist, das von mir behaupten zu können. Es tut so verdammt gut wieder selbstständiger und vor allem kräftiger zu werden. Einfach großartig. 

Ein neuer Schritt in Richtung Gesundheit starten heute. Mit Sicherheit wird auch dieser Weg kein Spaziergang, aber ich bin nicht mehr so abgeschottet von einem normalen Leben. Trotz Krankenhaus Normalität – und das ist auch gut so! Meine neu gewonnene Freiheit gebe ich so schnell nicht wieder her. 

Wie angenehm ein ganz Normaler Alltag, ein ganz normales Leben sein kann, lernt man erst zu schätzen, wenn es einem genommen wird. Letztes Jahr kurz vor Weihnachten, am 12.12. habe ich meine Diagnose bekommen. Heute, ein knappes Jahr später, am 05.12. endlich die lang ersehnte Nachricht: Keine Krebszellen mehr. Das schönste Weihnachtsgeschenk, was ich jemals bekommen habe und vermutlich bekommen werde. Ein riesen Schritt in Richtung Gesundheit.

2019 war ein scheiß Jahr und ich bin froh, wenn es endlich vorbei ist. Die Krankheit hat mein ganzes Jahr in Anspruch genommen, doch ich habe mich nicht unterkriegen lassen und ich werde alles dafür tun, dass diese beschissenen Zellen auch wegbleiben. 
Gesundheit ist das wichtigste Gut, das ein Mensch besitzen kann, das dürfen wir niemals vergessen. Eine Krankheit wünscht man keinem. #fuckyou2019 #fuckyoucancer Auf ein besseres 2020 und darauf, dass diese scheiß Krebszellen nicht mehr wiederkommen. Auf in die Erhaltungstherapie – los geht’s. 

Oh Herbst, lang ersehnter Herbst.

Der Herbst ist gekommen, es fühlt sich schon fast an wie Winter. November, 11 Monate sind vergangen seit der Diagnose. 11 Monate, die wahrlich kein Spaziergang waren. 11 Monate voller Krankenhaus, voller Untersuchungen, voller körperlicher Schwäche. Aber auch 11 Monate voller Dankbarkeit, voller Fortschritte und voller Liebe. Noch nie habe ich mich so nah meinen Freunden und noch viel mehr meiner Familie gefühlt. Diese 11 Monate sind nun endlich vorbei, die Intensivtherapie ist vorbei und das wurde auch wirklich Zeit. 

Nie wieder Chemo, toi toi toi! Hoffentlich nie wieder wegen dieser scheiß Krankheit länger im Krankenhaus bleiben und nie wieder so sehr auf andere Menschen angewiesen sein. Es nervt! Natürlich fahren meine Eltern und mein Freund mich überall hin, wo ich hinmuss. Aber ich habe es satt. Ich möchte nicht mehr, dass sie wegen mir später zur Arbeit fahren, oder ihren Nachmittag verschwenden, ich möchte selbstständig sein, möchte auf niemanden angewiesen sein. 

Der Herbst ist gekommen, die Intensivtherapie ist vorbei. Der schlimmste Teil der Therapie ist geschafft und ich kann endlich wieder mein Leben Richtung Normalität steuern. Wie schön ist es einfach selbstständig über sein Leben bestimmen zu können? Selbst entscheiden, wann man wo ist und was man wann machen möchte. Ich bin unendlich froh endlich nicht mehr fremdbestimmt durchs Krankenhaus zu sein und mein Leben nicht mehr nach den Chemo-Zyklen planen zu müssen. Endlich wieder selbstständig sein. Selbstständig Termine machen, selbstständig planen, selbstständig seinen Aufenthaltsort bestimmen, selbstständig mein eigenes Geld verdienen. 

Vor genau 3 Tagen wurde ich endlich zum letzten Mal entlassen und was macht mein Körper zu aller erst? Genau, krank werden. Natürlich muss ich trotzdem weiterhin aufpassen, dass ich mir keine Infekte einhandle und bin natürlich auch noch ordentlich anfällig dafür, aber ich kann mir auch vorstellen, dass mein Körper einfach die ganze Anspannung von sich gelassen und einfach mal losgelassen hat. 11 Monate lang war es absolut unerwünscht krank zu sein, da die Chemo hätte verschoben werden müssen und kaum sind die Chemo-Zyklen vorbei, zack krank. Das nenne ich Timing. 

Gut erholt und befreit von der kleinen Erkältung, die ich momentan mit mir rumschleppe, kehre ich am 02.12. ins Krankenhaus zurück und starte die Erhaltungstherapie. Komplett krebsfrei bin ich offiziell noch nicht, aber der Weg dahin ist nicht mehr weit. 2,5 Jahre Erhaltungstherapie stehen mir noch bevor. Und 5 Jahre nach der Beendigung der Therapie ist man erst wieder wirklich „gesund“

Der Herbst ist gekommen und ich schaue auf ein 2020, welches nur besser werden kann als dieses verfluchte 2019. 2020, ein Jahr voller Selbstständigkeit, voller Fortschritte und voller Erfolge. 2020, ein Jahr in dem ich hoffentlich meine Dankbarkeit zeigen kann und soviel wie möglich zurückgeben möchte. Ich bin froh den schlimmsten Teil der Therapie überstanden zu haben und blicke in eine schöne Zukunft. Ich musste 2019 schlagartig erwachsen werden und nehme aus diesem Jahr so viel an Erfahrung und Stärke mit in die Zukunft. Wie sagt man so schön? „Was einen nicht umbringt, macht einen stärker“, und so blöd der Spruch auch ist, er stimmt. Ich bin stärker denn je und so möchte ich ab jetzt auch leben. 

Intensivtherapie – die Letzte.

Wie fühlt es sich an mitten im letzten Chemoblock zu stecken? Wie fühlt es sich an kurz vor dem Ende der Intensivtherapie zu stehen? Sollte ich nicht springen und tanzen? Wirklich feiern werde ich wahrscheinlich erst können, wenn der Arzt mir in einigen Jahren sagt: „Frau Harms, Sie sind gesund!“ 
Die Ärzte sind sehr zufrieden. Klar gibt einem das ein sicheres Gefühl, doch gleichzeitig ist da dieser kleine Teil an Zellen, der eben noch nicht weg ist und einem ein mulmiges Gefühl im Magen verschafft. 
„Dieser Teil ist so minimal, dass die Therapie und auch die Erhaltungstherapie ganz normal ablaufen können – wir sind uns sicher, dass auch dieses letzte Stück dann mit der Zeit verschwindet.“ Es ist schön solche Worte zu hören, doch im Hinterkopf flüstert leise eine Stimmte: „Was, wenn nicht?“ 

In einem Punkt bin ich mir zu hundert, nein, sogar zu tausend Prozent sicher: Diese Chemo tritt der Krankheit nochmals sowas von in den Arsch! Ich muss zwar auch mit den Nebenwirkungen kämpfen, jedoch gibt mir die Kraft der Chemo Sicherheit. Endlich alle Zellen loswerden, endlich den ganzen Scheiß hinter mir lassen. Kann es denn so schwer sein? 

Die Nebenwirkungen waren tatsächlich noch kein einziges Mal so stark, wie im letzten Durchgang, zumindest was die Schleimhäute betrifft. Kein Appetit, Entzündeter Mund, entzündete Zunge. Reden ging nur mit Mühe, essen eigentlich gar nicht. Wenn ich einen Liter stilles Mineralwasser am Tag runter bekam war ich schon mehr als zufrieden mit mir. Dieser verfluchte Teufelskreis, zu wenig Essen = Bauchschmerzen, zu wenig Trinken = Kopfschmerzen. Kaputt und müde war ich zusätzlich natürlich auch noch. Aber egal dachte ich mir die ganze Zeit. Ganz egal, je stärker die Chemo ist, desto wahrscheinlicher ist es den ganzen Müll endlich los zu sein und endlich einen weiteren Schritt Richtung Gesundheit zu machen. Bei allem was ich jetzt noch über mich ergehen lassen muss denke ich mir: „Es ist bald vorbei, endlich vorbei.“ 

Meine Gesundheit steht und wird auch immer an erster Stelle stehen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hat man aber einfach keine Lust mehr, man hat es satt. Ich würde niemals in meinem Leben aufhören zu kämpfen, zu keinem Zeitpunkt. Ich würde das ganze Prozedere auch wieder und wieder über mich ergehen lassen, weil ich weiß, dass ich wieder gesund werde und ein normales Leben führen kann Irgendwann ist die Geduld jedoch an einem Punkt, an dem man sich sagt: Hey, reicht jetzt auch. Genug mit Schmerzen, genug mit Nebenwirkungen, genug mit Behandlungen, genug mit Spritzen, genug mit Tabletten und vor allem genug mit Krankenhaus. 

Es liegen noch ein paar Tage Krankenhaus vor mir, in denen ich stationär aufgenommen bin und hierbleiben muss. Die 24h-Chemo tropft neben mir bereits und läuft langsam, aber sicher in meine Venen. Ich merke davon nichts, wie immer, aber natürlich weiß ich, dass auch dieses Mal wieder einiges auf mich zukommen kann. Es ist so trügerisch. Still und leise läuft die giftgelbe Flüssigkeit in den Körper, ohne dass man es auch nur ansatzweise etwas spürt und Tage später BOOM zeigt das gute Mittel, was es wirklich draufhat.

Nach dem stationären Aufenthalt muss ich alle zwei Tage wieder ins Krankenhaus kommen, um meine Werte kontrollieren zu lassen und wenn diese wieder in Ordnung sind, ist die Intensivtherapie vorbei. Vorbei? Einfach vorbei. Es ist für mich noch so unglaublich surreal. War nicht gerade eben noch Dezember? Haben wir nicht gerade erst gesagt: „Wenn der Sommer vorbei ist, dann ist es fast geschafft.“ Und wo stehen wir jetzt? Es ist Herbst! Die Blätter fallen endlich von den Bäumen, es regnet den ganzen Tag und die letzte Chemotherapie ist im Gange. Meine Haare werden immer dichter, körperlich werde ich von Chemopause zu Chemopause fitter und auch mental geht es mir verdammt gut. Der letzte Chemoblock, was für ein komisches Gefühl. 

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass auch während der Erhaltungstherapie noch sehr, seeehr viel auf mich zukommen wird und dass auch diese Therapie kein Spaziergang wird, doch der größte Teil ist geschafft und hey, ich bin verdammt stolz auf mich! 

Ich habe Spritzen über mich ergehen lassen, wurde so oft gepikst, dass alle meine Venen komplett vernarbt sind, ich habe mindestens 50% meiner Zeit im Krankenhaus verbracht und wenn nicht im Krankenhaus, dann auf der Couch oder im Bett. Meine Haare mussten sich verabschieden, und zwar alle Haare, im Gesicht sehe ich aus, als würde ich 100 Kilo wiegen, während ich tatsächlich 10 Kilo abgenommen habe. Das alles ist aber egal, denn ich habe niemals mein Gesicht verloren. Ich habe niemals die Freude am Leben und an den schönen Dingen verloren. Ich bin immer noch ich, ein offener, vor allem lebensfroher und positiver Mensch. Meine Familie und meine Freunde müssen so viel mit mir durchmachen und auch ihr könnt allesamt so verdammt stolz auf euch sein, denn ich war bestimmt nicht die ganze Zeit über so erträglich.

Noch ein paar Wochen und ich mache den nächsten riesigen Schritt Richtung Zukunft, Richtung Gesundheit und es gibt nichts auf das ich mich mehr freue. 

Der Sommer ist vorbei – endlich.

Die Zeit rennt. Der Sommer ist vorbei. Drei teils grauenhafte, aber auch teils wunderschöne Monate sind vorüber und der Herbst steht vor der Tür. „Wenn erstmal der Sommer vorbei ist, dann ist das Ende in Sicht“, haben wir zum Anfang der Therapie immer gesagt. „Ist der Sommer überstanden, ist der Rest eine Kleinigkeit.“ Jetzt ist es soweit, der Sommer ist vorbei. Wieder sitze ich im Krankenhaus und hoffe so sehr, dass meine Werte immer besser werden und sich alles weiterhin positiv entwickelt. 

Mein Sommer-Resümee? Die Hitze hat mich in die Knie gezwungen. Sobald die 30 Grad Marke geknackt wurde, war es für mich ein Ding der Unmöglichkeit die Zeit draußen zu verbringen. Aus meiner geliebten Sonne wurde mein größter Feind. Je länger der letzte Zyklus und somit auch die letzte Chemo vergangen waren, desto besser kam ich mit den Temperaturen klar. Die letzten Wochen konnte ich dick eingecremt und mit absolut hässlichem Sonnenhut sogar ein wenig Vitamin D tanken.  Lasst euch sagen: Es hat so gutgetan! Urlaub – nur Zuhause. Zeit mit den Liebsten verbringen, lecker essen, die Sonnenstrahlen genießen und sich nicht mehr vor ihnen verstecken. Unternehmungen, am Wasser, am Meer. Lange Spaziergänge und sogar Feiern, was ich mir noch vor kurzer Zeit niemals zugetraut hätte. Es fühlt sich so normal an, ich fühle mich wieder stärker. Manchmal fällt es mir sehr schwer alles zu verstehen, manchmal möchte es einfach nicht in meinen Kopf gehen. Ich bin fit, die meiste Zeit zumindest, unternehme viele Sachen, fühle mich gut und lache viel. Trotzdem sitzt da etwas in meinem Körper, was bösartig ist und was meinen Zustand immer wieder verschlechtern könnte. Ich fühle mich gesund, klar bin ich körperlich schwach, aber mein Allgemeinwohlsein ist gut, doch da lauert in meinem Körper etwas, was mich kaputt machen könnte. In solchen wundervollen Momenten, wie dem kleinen „Urlaub“ und die Zeit mit meinen Liebsten lassen mich einfach vergessen, dass dieses bösartige Zeug in meinem Blut überhaupt existiert und das ist auch gut so!

Jede Sekunde, die es mir so gut geht macht mich stärker. Jede Minute, die ich nicht daran denken muss und mich normal fühlen kann gibt mir so viel. 

Ich bin an dem Punkt, auf den ich seit letztem Dezember gewartet habe, der Sommer ist vorbei. Es geht in die letzte Phase. Die vorletzte Therapie ist gerade im Gange und darauf folgt noch ein ziemlich langer Zyklus, der in 2 Blöcke aufgeteilt wird. Dieser momentane Block ist nicht sonderlich stark, die Ärzte rechnen mit wenig Nebenwirkungen, doch der nächste wird noch einmal härter. Aber sind wir doch mal ganz ehrlich? Das stehe ich jetzt auch noch durch. Neun Monate sind wie im Flug vergangen und ich blicke nun auf den Endspurt. Die letzten Blöcke, um der Leukämie und diesen beschissenen Zellen nochmal so richtig in den Arsch zu treten. Sie sollen weg sein, wegbleiben und das für immer. Das Ziel ist November und darauf folgen noch 1,5 Jahre Erhaltungstherapie. Aber erst einmal November. Der Sommer ist überstanden und das Versteckspiel vor der Sonne vorbei. Neun Monate pendeln zwischen Krankenhaus und zu Hause sind um, sieben Chemos geschafft, bald acht. Zwei Monate liegen jetzt noch vor mir. Zwei Monate, die ich im Krankenhaus verbringen muss und Chemo bekomme. Zwei Monate den Zellen noch einmal richtig Feuer geben, damit das alles endlich ein Ende hat. Ich habe keine Lust mehr, möchte ein normales Leben. Möchte nicht immer als erste nach Hause, weil ich kaputt bin, möchte mich in die Sonne legen ohne gleich Allergien, Infektionen oder Sonstiges befürchten zu müssen. Vor allem aber möchte ich in der Zukunft irgendwann wieder voller Stolz sagen können „ich bin gesund.“ 

Mich gibt’s auch noch.


Lang ist’s her seit ich mich das letzte Mal hier gemeldet habe. Ziemlich still ist es um mich geworden. Aber was soll ich erzählen, wenn es nichts zu erzählen gibt? Was soll ich schreiben, wenn alles immer gleich abläuft. Es hätte einfach keinen Sinn gemacht einen Beitrag zu schreiben über Dinge die eh schon alle wissen. 
Nach einem langen Zeitraum, einigen Chemos und einer kleinen, schwarzen Haarpracht, die mir momentan wieder ausfällt, gibt es tatsächlich wieder mehr zu berichten. Es hat sich etwas geändert, eine Sache, die mir überhaupt nicht zu Gute kommt und mir wirklich ordentlich zu schaffen macht: das Wetter. Ich kann einfach nur sagen, wenn man als gesunder Mensch denkt: „Boah, das Wetter kann man echt nur im Wasser aushalten“, oder „Ich bin so kaputt bei der Hitze“, dann sollte man mal einen Menschen fragen, der Chemotherapie bekommt. Halleluja! Sagen wir es mal so, eigentlich habe ich mich die letzten zwei Wochen vor der Sonne und der Hitze versteckt. Die 15 Grad momentan sind für mich ein absoluter Segen. Ich bin vermutlich der einzige Mensch, der sich über die Kälte freut. Eigentlich liebe ich die Sonne, ich liebe es Dinge mit Freunden zu unternehmen und die Hitze im See oder Schwimmbad auszuhalten. See und Schwimmbad? Ach, da war ja was, darf man natürlich während der Therapie absolut nicht und auf keinen Fall. Also sitze ich in meiner Wohnung und bin mehr als dankbar, dass die schön kühl ist, obwohl wir im 7. Stock wohnen. Kleinere Ausflüge zum Wochenmarkt oder zum Einkaufen in der Sonne haben mich immer sofort in die Knie gezwungen. Wenn ich nach so einer Aktion wieder Zuhause angekommen bin, musste ich mich erstmal aufs Sofa legen und mich erholen… vom Einkaufen… in einem Geschäft, das zu Fuß 2 Minuten von der Wohnung entfernt ist. Es ist absolut nervig, dass man nicht wirklich Kontrolle über seinen Körper hat. Natürlich möchte ich tun und machen, aber es geht einfach manchmal nicht so wie will. 

Hier im Norden ist das Wetter zwischendurch immer wieder sehr abgekühlt und zu quälenden Temperaturen wie 35 Grad oder höher ist es gar nicht gekommen, worüber ich so unfassbar froh bin. Jeder Windzug, jede Wolke ist für mich ein absoluter Segen. Sobald es ein wenig abgekühlt ist auf 25 Grad geht es mir auch wieder blendend und ich merke nichts von der Krankheit und der Therapie, doch wenn es so ekelhaft drückend und schwül draußen wird, kann man eigentlich fest damit rechnen, dass ich den ganzen Tag in meiner Wohnung auf der Couch verbringe und eine Koch-Show nach der nächsten schaue, um der Hitze aus dem Weg zu gehen. 

Ich beneide alle Leute so sehr, die sich in die Sonne legen, im See schwimmen oder einfach andere schöne Dinge in der Sonne machen, ohne gleich halb ins Koma zu fallen. Aber guess what? Nächstes Jahr mache ich das auch alles wieder. Bis dahin werde ich einfach immer erst gegen 21 Uhr das Haus verlassen, wenn es abgekühlt ist. Passend dazu, dass ich zurück ins Krankenhaus gegangen bin haben sich die Temperaturen zum Glück auch zurückgenommen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es hier die letzten Wochen gewesen sein muss, so ohne Klimaanlage und jegliche Möglichkeit zu lüften. Nicht lüften? Nö, das darf man hier nicht mehr, weil die Luft in den Zimmern extra gefiltert wird, um Infektionsgefahren zu vermindern und Bakterien zu verringern. Die heiße Luft lässt sich dadurch aber natürlich nicht wegfiltern. Es wäre vermutlich die Hölle geworden. 

An sich geht es mir sehr gut. Mein Gesicht ist durch die Medikamente zwar immer noch sehr aufgedunsen und ich wünsche mir wirklich sehr mein normales Gesicht zurück, doch ansonsten habe ich keine Beschwerden und bin tatsächlich wirklich fit. Ich fühle mich überhaupt nicht krank und bin weder kaputt, noch habe ich andere Probleme. Die kurzen Aufenthalte im Krankenhaus sind wirklich schön und gerade merke ich von der Chemo noch nichts und kann meine Zeit, ob hier in Bremen oder in Bremerhaven sinnvoll nutzen, mit meinen Freunden und meiner Familie. So schlimm die Krankheit auch ist, durch sie merke ich immer wieder wie unglaublich eng meine Bindung zu meiner Familie ist und wie wichtig mir diese Nähe zu meinen Verwandten ist. Meine Mama und mein Papa würden vermutlich Bäume für mich ausreißen, wenn sie müssten und dafür bin ich sehr dankbar. Natürlich verbringe ich auch viel mehr Zeit als vorher mit meiner Familie und das möchte ich nicht mehr missen. 


Auch wenn bei mir momentan medizinisch nicht alles zu 100% glatt läuft und die Ärzte nicht zu 100% zufrieden sind, habe ich immer Menschen um mich herum, die mich auffangen, die mir Kraft geben und mit denen ich immer offen über jede Kleinigkeit, jeden minimalen Rückschlag und natürlich jeden Erfolg sprechen kann. 

Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist, ist das man durch die Gespräche im Krankenhaus und natürlich auch viel durch Social Media über andere Schicksale mit der Krankheit Leukämie erfährt, sowohl positiv als auch negativ. Die erste Reaktion, die dann natürlich im Kopf passiert, ist sich mit dem Schicksal zu vergleichen und genau das ist ein absoluter Fehler! Ganz am Anfang war eine der ersten Dinge, die mir meine erste Bettnachbarin mitgegeben hat: „Vergleiche dich nicht mit anderen. Jeder hier hat seine eigene Geschichte und keiner hier gleicht dem anderen.“ Und wie recht sie hatte! Wenn man seine Zeit zwangsläufig im Krankenhaus verbringt wird man immer Patienten erleben, bei denen die Krankheit nicht so gut bekämpft werden kann und im schlimmsten Fall erlebt man sogar einen Todesfall. All diese natürlich belastenden Eindrücke darf man niemals auf sich selbst projizieren. Nur weil ein anderer Patient schlimme Nebenwirkungen hat, heißt es noch lange nicht, dass du das auch hast und nur weil die Chemo bei dem einen schlechter anschlägt, heißt es nicht, dass es bei dir auch so ist. Dieser eine Satz meiner Bettnachbarin hat absolut dazu beigetragen, dass ich solche Storys nicht zu nah an mich heranlasse, geschweige denn mit mir vergleiche. Der menschliche Körper ist so komplex und bei jedem Menschen so verschieden. Egal ob Alter, Gewicht, Größe, die Form der Krankheit und natürlich die Einstellung machen einen riesen Unterschied bei jedem Einzelnen im Therapieverlauf. Also niemals den Kopf hängen lassen und bloß nicht durch andere Geschichten verunsichern lassen. Du bist stärker! 

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