It’s all about the food.

Keine Möglichkeit zu schreiben, keine Möglichkeit etwas hochzuladen, quasi abgeschnitten von der Außenwelt. 
Na gut, so dramatisch war es vielleicht nicht, aber so hat es sich auf jeden Fall angefühlt. Ich melde mich nach einer längeren Zeit, von einem neuen Laptop in schmerzlicher Erinnerung an meinen alten, der mir aus meinem Zimmer 11 geklaut wurde. Bevor jetzt die oberschlauen kommen und meckern, ich bin mir sehr wohl bewusst, dass man im Krankenhaus seine Wertsachen nicht offen und ohne Aufsicht liegen lassen sollte, habe ich auch bis dato auch nie getan. Und so blöd es klingt, dann kommt diese eine Ausnahmesituation, du hast eine halbe Stunde keinen Blick dafür und deine Wertsachen sind weg. Handtasche, Geld, Laptop futsch. In den Nebenzimmern ein ähnliches Bild. Selbst auf der gegenüberliegenden Station. 
Was muss in einem vorgehen um auf einer Station zu klauen, auf der Menschen liegen, die mit dem Tod kämpfen? Wie egal muss einem alles sein, um Menschen zu beklauen, die eh schon Pech ohne Ende haben. Es geht nicht in meinen Kopf. Ich bin fit, mir geht es gut, ich bin körperlich nicht ein Stück beeinträchtigt, aber es gibt Menschen hier, die nicht so ein Glück haben wie ich, denen es nicht so gut geht und die beklaut man? Ich kann es nicht verstehen. Wie kann jemand das mit sich vereinbaren?  
Nach dem Diebstahl war ich einfach nur enttäuscht von der Menschheit. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass ich selber auch nicht ganz unschuldig am Verschwinden des Laptops war und trotzdem war ich in der Situation einfach nur schockiert zu was Menschen im Stande sind. 
Diese Entrüstung wurde mir aber schnell wieder genommen. Ich habe nicht wirklich vielen erzählt, was mir passiert war, doch unter denen, die es wussten und die es mitbekommen haben ist so eine Welle an Anteilnahme losgebrochen. Alle haben plötzlich überlegt wie das Problem gelöst werden könnte, damit ich wieder schreiben kann. Personen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen habe, die mich noch nie gesehen haben, sondern nur über meine Angehörigen von meiner Geschichte gehört haben, haben sich Gedanken gemacht.
Menschen sind eben doch gut! Wer auch immer hier in Bremen in Krankenhäuser einbricht und schwer kranken Menschen ihre Wertsachen klaut, ist für mich einfach nur menschlicher Abschaum, doch mir ist in den letzten Tagen so viel Gutes widerfahren, gerade weil alle so entrüstet und wütend über die Situation waren. Die Anteilnahme war überwältigend, sodass meine Wut und Enttäuschung gegen die Menschheit schnell wieder verflogen ist. 
Ein kompletter Text, viele Gedankengänge, die ich aufgeschrieben habe sind leider durch den Diebstahl verloren gegangen. Ich versuche sie aber so gut es geht wiederherzustellen, ich gebe mein Bestes. 
Kurzer gesundheitlicher Zwischenstand: 
Wieder kann ich sagen: Es geht mir gut! 3 Monate sind bereits um, 3 Chemoblöcke geschafft. Man arrangiert sich mit der Krankheit, viele Dinge werden zur Normalität und gehören mittlerweile einfach zum Leben dazu. Die Zeit rennt und das ist auch gut so. Mittlerweile bin ich die Zimmernachbarin, die anderen das Verhalten während der Krankheit und die Gewohnheiten im Krankenhaus erklärt, so wie es eben mir am Anfang auch alles erklärt wurde. Ich bin mittlerweile schon ein „alter Hase“, ob man das nach drei Monaten so sagen kann? Über den Stand meiner Therapie sind die Ärzte sehr zufrieden. „Normal wäre man an diesem Punkt erst nach dem 4. Chemoblock“, sowas hört man doch gerne. Dieser Block dauert zum Glück nicht allzu lang, 2 Wochen und die nähern sich gerade stark dem Ende. Eine klitzekleine Kleinigkeit, die gar nicht so klein ist wäre da noch: Ich hatte nie großartig mit Nebenwirkungen zu kämpfen, doch diesmal hat es mich wirklich erwischt. Mir war nicht übel, körperlich war ich zu jeder Zeit fit. Ich hatte keine Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen, nichts was ich vorher schon mal in irgendeiner Form hatte. Ich sah aus wie ein Hamster und das ist kein Witz. Von der Chemo wurden die Schleimhäute im Körper stark angegriffen und das vor allem im Mund. Auf meinem Speiseplan standen nur Joghurt und Leitungswasser, „das flutscht gut“, wie die Schwestern es so schön sagen. So gerne ich es auch wollte, essen war einfach keine Option. Ich wurde durch die Entzündungen quasi ruhiggestellt, sprechen war zeitweise wirklich schwierig für mich. Für alle anderen hier war der Punkt wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung, konnte ich nicht alle vollquatschen, wie sonst immer. Was noch dazu kommt, durch die Entzündung entsteht eine ziemlich hohe Speichelproduktion und ich war wirklich nur noch am sabbern, ich habe mich gefühlt wie ein Hund, unfassbar nervig immer in einem halben See aufzuwachen. 
Spaß beiseite, momentan kann ich wieder relativ gut essen. An besonders harte oder körnige Sachen wage ich mich noch nicht ganz ran, aber alles was schön weich ist und sogar Schwarzbrot habe ich schon gegessen. Mein Mund sieht auch nicht mehr aus als wäre ich ein mutiertes Nagetier, also es geht alles bergauf. War ja auch nicht anders zu erwarten. 
Über was ich eigentlich in diesem Post schreiben wollte, was ich auf meinem alten Laptop auch schon ewig fertig hatte ist das Krankenhausessen und worauf ich was Essen betrifft achten muss. Passenderweise, dass ich darauf die letzten Tage verzichten musste, werde ich jetzt mal versuchen zu beschreiben wie das hier läuft. So oft wurde ich gefragt wie ich das überlebe mit dem Krankenhausessen. „Ist es nicht furchtbar? Bekommst du das überhaupt runter?“, und ich kann wirklich sagen es ist nicht mal ansatzweise so schlimm, wie man sich es vorstellt. 
Essen ist so wichtig, gerade auch während der Therapie. Wenn es einem eh schon schlecht geht, weil man ja nicht gerade mit Glück gesegnet ist und dann auch noch schlechtes Essen bekommen würde, das wäre für mich der Supergau. Während meiner Therapie muss ich auf verschiedene Dinge achten, die meine Ernährung betreffen. Die ersten 7 Wochen hier musste ich sehr streng die Vorgaben befolgen und jetzt immer noch, wenn mein Immunsystem nach der Chemo heruntergefahren wird. Es geht darum, dass ich mich möglichst antibakteriell ernähre, damit ich mir nicht, wenn mein Immunsystem eh schon im Keller ist noch zusätzlich was übers Essen einfange. 
Jetzt folgt eine Liste an Lebensmittel, die Fenja nicht darf, aber ganz plötzlich unbedingt will, auch wenn sie manche Sachen davon vorher nie wirklich wollte: 

  • Rohes Fleisch: Macht für mich total Sinn. Mett ist dafür 2019 komplett tabu, ich leide auch nur ein bisschen. Das war gelogen, ich leide sehr. 
  • Roher Fisch: Ich kann auch das wirklich komplett nachvollziehen Bei Sushi haben ja schon gesunde Menschen oft Probleme mit, das sehe ich ein. 
  • Rohes Gemüse: Paprika, Salat, Tomaten, alles tabu. Ich muss gestehen, ich vermisse es wirklich sehr. Dass ich einmal sagen werde ich vermisse Salat ohne Ende hätte auch niemand gedacht, aber iss mal einen Burger, einen Döner oder ein Baguette ohne Salat, ist auch nicht mehr so geil. Esse ich alles trotzdem, also Burger, Döner und Baguette nur eben ohne Grünzeug. Gurke ist okay, die kann man schälen. 
  • Früchte ohne Schale: Himbeeren, Blaubeeren, alles an Beeren was einem so einfällt, Kirschen, Weintrauben und viele mehr. Alle Früchte, die ich schälen kann, darf ich auch essen, da dort keine Bakterien und Keine hingelangen. Im Frühling und Sommer werde ich frische Beeren vermutlich sehr vermissen, aber meine Wassermelone können sie mir zum Glück nicht nehmen.
  • Gorgonzola/Blauschimmelkäse: Erklärt sich denke ich von alleine. 
  • Nüsse: An Nüssen können sich Pilze und andere ekelhafte Dinge bilden. Aus dem Grund sollen wir auf keinen Fall Nüsse essen. Mal ganz ehrlich, ist mir egal, ich mag keine Nüsse. 
  • Parmesan: Mein Herz blutet. Auch hier können sich schnell irgendwelche bakteriellen Kulturen ansiedeln. Pssssst! Als ich mit meiner Mama Spaghetti gekocht habe, haben wir einen ganz frischen Parmesan aufgemacht und gegessen und oh Wunder, ich bin auch nicht gestorben. 
  • Camembert: Habe immer noch nicht ganz verstanden warum. Kann mir das zufällig jemand erklären? 
  • Pfeffer: WTF?
  • Stilles Wasser: Das stille Mineralwasser dürfen wir hier tatsächlich nicht trinken, weil zu viele Bakterien darin sind oder sein können. In unseren Badezimmern auf der Station wird das Wasser gefiltert, falls wir also mal kein Bock auf Kohlensäure haben sollten, können wir das trinken. 
  • Chips: Das Paprikagewürz auf Chips soll wohl auch irgendwie bakterienbelastet sein. 
  • Mayo/Remoulade/Hollandaise: Und das schlimmste kommt zum Schluss. Überall hier werden rohe Eier oder rohes Eigelb verarbeitet. Das darf ich natürlich auf gar keinen Fall essen und es ist wirklich schwer. Ich bin absolut klein Ketchup-Mensch und vermisse meine Pommes mit richtig schön Mayo. Und auch hier muss ich zugeben bin ich schon schwach geworden und habe eine ganz frische Packung Remoulade gekauft, sie ganz neu geöffnet, weil mal ganz ehrlich, ein Baguette ohne Remoulade? In der Spargelzeit ohne Hollandaise? Ich will gar nicht drüber nachdenken.

    Das Essen allgemein hier im Krankenhaus ist voll in Ordnung. Es gibt Tage da schmeckt es wirklich lecker und Tage, an denen du dich fragst „was zur Hölle?“ Ich muss sagen, als ich im ersten Krankenhaus war, ich nenne mal keine Namen, dachte ich, ich muss verhungern. Das war so furchtbar, das Fleisch hat original geschmeckt wie Pappe und dazu gab es dann drei Kartoffeln die kleiner nicht hätten sein können. Hier in Bremen ist das zum Glück überhaupt nicht so. Hier war ich also wirklich einfach nur erleichtert, dass keine Pappe serviert wird. Aus vier Gerichten kann ausgewählt werden und eigentlich ist auch immer etwas dabei, was mir schmeckt. Ich bin da aber auch wirklich nicht wählerisch. Sollte doch mal keins dabei sein, organisiere ich mir einfach selber etwas und fertig. Nach ca. 5 Wochen wiederholt sich der ganze Spaß hier, also eigentlich ist es immer das Gleiche. Ab und an kommt mal ein Gericht dazu aber im Großen und Ganzen kann man sich sicher sein, dass sich alles nach bestimmter Zeit wiederholt. 
    Frühstück und Abendbrot sind immer gleich. Man kann es zwar umbestellen, aber wer macht das schon jeden Tag? Zum Frühstück habe ich ein Weizenbrötchen und ein Schwarzbrot und zum Abendbrot nur Schwarzbrot und das ist völlig in Ordnung. Aufschnitt organisiere ich mir selber, die Wurst hier hängt mir wirklich zum Hals raus und wenn ich meine Zeit schon im Krankenhaus verbringen muss, mache ich das wenigstens mit Essen, das mir schmeckt. Oft hole ich mir natürlich auch was, gefühlt habe ich schon alle Dönerbuden, Pizza-Männer und Hähnchenwägen in der Umgebung ausprobiert. 
    Und weil man sich unter Krankenhausessen meist wirklich das Schlimmste vom Schlimmsten vorstellt, hier eine Galerie, die hoffentlich das Gegenteil beweist. Geschmeckt hat es jedenfalls. 

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