Wellness und Essen.

Wie schnell die Zeit vergehen kann merkt man vermutlich erst, wenn einem etwas Unangenehmes bevorsteht. Wochen werden zu Tagen, Tage zu Stunden und Stunden zu Minuten. Knapp zwei Wochen fliegen vorbei. Ich bin doch gerade erst entlassen worden und schon sitze ich wieder auf Station. Diesmal auf einer neuen Station. „Wir“ sind quasi umgezogen in einen Neubau und es läuft noch alles drunter und drüber, aber ich habe meinen eigenen kleinen Fernseher und muss mich mit niemandem auf ein Fernsehprogramm einigen. Das ist wirklich praktisch. Sind wir mal ehrlich: Das Alter meiner Mitpatienten ist schon wesentlich älter als meins und dementsprechend ist denke ich auch der Geschmack des Fernsehprogramms. Auf der alten Station habe ich das mit dem Fernsehen auf der alten Röhre also einfach gelassen, dagegen ist es hier im neuen Zimmer schon ein wenig Luxus, also wenigstens so ein bisschen. 
Was ich zugeben muss, ich habe die letzten zwei Wochen aber auch wirklich viel gemacht, das hat die Zeit vermutlich noch schneller vergehen lassen, als eh schon. Die erste Woche hatte ich leider ziemlich mit meinem Magen zu kämpfen. Essen war für mich wirklich eine Anstrengung, nur wenige Happen und ich war mehr als satt. Für mich absolut schlimm, ich esse doch so gerne.

Langsam merke ich, dass mein Körper schwächer wird und ich nicht mehr so einwandfrei auf jede Chemo reagiere. Mein Körper wird von Chemo zu Chemo schwächer und dementsprechend reagiere ich. Zum Glück ist das Ganze nicht mehr so stark und schlimm wie am Anfang. Gar nicht vorzustellen, wie dreckig es mir vermutlich jetzt gehen würde, würden die mir das starke Zeug durch den Körper jagen. Zwei Wochen nicht wirklich essen zerrt natürlich ungemein an der Kraft und zwangsläufig auch am Körpergewicht. Mittlerweile habe ich seit Therapiebeginn gute acht Kilo abgenommen. Zu dünn fühle ich mich nicht, eigentlich fühle ich mich sogar ganz wohl mit meinem jetzigen Gewicht. Aber doch bitte unter anderen Umständen und mit vernünftigem Appetit. Woche Zwei ging es schon wesentlich bergauf und meine Mutti und ich haben etwas gemacht, was ich wirklich jedem wärmstens empfehlen kann: Wellness! Einfach ein paar Tage den Kopf ausschalten, am Strand spazieren, die gute Luft genießen, gut essen und es sich einfach gutgehen lassen. Wir haben einfach ins Blaue hinein ein Zimmer in Grömitzan der Ostsee gebucht und hatten dort eine tolle Zeit mit fantastischem Essen und ganz viel Entspannung. 

Bei Gott, es war wirklich einfach nur erholsam. Auch wenn das Wetter nicht so ganz mitgespielt hat war es wunderschön. Obwohl, eigentlich hat das Wetter sehr wohl alles richtig gemacht. Wir konnten einen Tag guten Gewissens im Wellnessbereich vertrödeln, ohne Sonne oder schönes Wetter zu verpassen und konnten am nächsten Tag trotzdem etwas Sonne tanken, als die Wolken wieder wegzogen. Wie gesagt, ich kann es einfach jedem ans Herz legen, der so eine blöde Therapie macht.

Manchmal kommt man einfach an den Punkt, an dem man sich selbst sagt: Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr und verdammt, ich bin erst bei der Hälfte.

Es hilft wahnsinnig einfach mal den ganzen Scheiß zu vergessen und Kraft zu tanken. Es lässt einen wieder positiver denken. Jetzt stellt sich natürlich die Fragen: Gutes Essen? Fantastisches Essen? Bei einem angeschlagenen Magen? Wir hatten Halbpension und somit Frühstücksbuffet und Abendbuffet vom wirklich allerfeinsten. Alles was das Herz und vor allem mein Herz begehrt wurde geboten. Zum Frühstück gab es Ei in allen Varianten, leckerer Käse, frisches Brot, Gemüse, unwahrscheinlich viel frisches Obst, Bacon, Pfannkuchen und, und, und. Zum Abendessen verschiedene Suppen, Fleisch, Fisch, Gemüse und alles in so vielen leckeren Varianten und einer Qualität, es war zum Niederknien, einfach göttlich. Mein Magen hat sich zum Glück ein wenig beruhigt und ich konnte das Essen genießen, zwar habe ich vermutlich wesentlich länger gebraucht als alle anderen Gäste, aber so waren sogar große Portionen machbar. 

Ach, etwas, was ich gerade mal eben so in einem Satz nebenbei erwähnt habe: Hey, es ist Halbzeit. Die Hälfte ist geschafft! Die erste Hälfte ist, wenn ich zurück denke wirklich schnell umgegangen, doch das Ganze noch einmal? Ich muss zugeben, manchmal denke ich wirklich: Es reicht doch langsam. Aber ich weiß, ich weiß, ich brauche das und ich will ja auch wieder gesund werden, und das um jeden Preis.

Es heißt weitermachen, weiterkämpfen und dieser ekelhaften Krankheit keinen Platz in meinem Leben geben.

Ich kann mich so glücklich schätzen, wundervolle Menschen um mich zu haben, die mich einfach packen und mit mir ein paar Tage einfach die Krankheit vergessen und einfach die Zeit genießen. 

Zum Abschluss der mal wieder wirklich schönen zwei Wochen konnte ich noch mit meinen Freunden zum Seestadtfest. Einfach Spaß haben und auch hier natürlich essen, essen, essen und ein bisschen feiern, so viel wie mein Körper es zulässt. Der krönende Abschluss vom Abschluss war dann noch das Essen in einem Lieblingsrestaurant zum ein-jährigen mit meinem Freund. Der muss auch so viel mit mir durchmachen, dafür an dieser Stelle auch noch einmal ein dickes, fettes DANKE. So hätten wir uns unser erstes Jahr auch nicht vorgestellt. Unsere nächsten Jahre werden dafür umso schöner und lassen uns diesen Zeitraum einfach vergessen.
Der fünfte Chemoblock steht jetzt bevor und ich bin unendlich froh, dass ich nicht mehr so extrem viel Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Wie der Arzt es so schön sagt: „Wir halten Sie jetzt an der langen Leine.“Diese Woche ein paar Tage, nächste Woche und dann bis die Werte wieder in Ordnung sind. Ich bin gespannt wie mein Körper reagiert und hoffe einfach schnell wieder Zuhause zu sein. Drückt mir ganz fest die Daumen! 


Outfits 1-3

*Werbung durch Markennennung

  • Hose: Pimkie
  • Oberteil: H&M
  • Mantel: Bershka
  • Gürtel: Gucci
  • Tuch: Muttis
  • Schuhe: Converse
  • Jeansrock: H&M
  • Rollkragen: H&M
  • Kopftuch: & other stories
  • Jeansrock Nr.2: H&M
  • Rollkragen weiß: H&M
  • Blazer: H&M

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