Zuhause.


Die Zeit vergeht so schnell und es überschlagen sich die Ereignisse. Jetzt sitze ich hier zwischen all den Kartons, die sich in der kleinen Wohnung gefühlt bis unter die Decke stapeln. Ein normales „durch die Wohnung laufen“ ist nicht möglich. Es herrscht Chaos. Und trotzdem denke ich an alle Momente zurück. 

Nach dem Feiern sind wir hergekommen um hier zu pennen. Immer wieder haben wir mit unseren Leuten hier zusammen gesessen und gelacht. 

Ich weiß noch, als ich das erste Mal hergekommen bin und mir dachte: Verdammt ist das schön hier. Außen Pfui, innen Hui. Wir hatten so viel Spaß hier, bis ich dann krank wurde. 

Du hast mich hier aufgefangen und schnell wurde es zu meinem Zuhause. Quasi zwangsläufig und ungeplant sind wir dann zusammengezogen. Du hast mir hier ein Zuhause geschenkt, einen Ort auf den ich mich freuen konnte, wenn ich aus dem Krankenhaus kam. Doch vor allem Du hast ihn zu meinem Zuhause gemacht. 

Niemand hätte je gedacht, dass wir sowas durchmachen müssen, doch jetzt hat sich das Blatt gewendet. Alles verändert sich und wir können einen großen Teil der Geschichte hinter uns lassen. Es öffnet sich ein neues Kapitel, auf das ich mich unendlich freue. Neuer Job, neue Wohnung, neues Leben. Ich freue mich auf die neue Wohnung, für die wir uns selbst entschieden haben, wir selber und kein zwangsläufiger Umstand. Ich freue mich auf all die neuen Momente, die auf uns zukommen. 

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlasse ich unser kleines Zuhause um weiterzuziehen. Mir bleibt nichts Anderes, als Danke zu sagen. Danke, für den Zufluchtsort, den du mir gegeben hast, als ich ihn gebraucht habe. 

Auf eine strahlende Zukunft in einem neuen Zuhause, welches wir mit guten Erinnerungen füllen werden. 

Kreativität & Vorsicht.


Einige Wochen sind vergangen und was soll ich sagen? Es gab bisher auch einfach nichts zu erzählen. Meine Aktivitäten in der letzten Zeit lassen sich auf spazieren, kochen, backen, putzen und Sonne tanken reduzieren. Natürlich hocke ich nicht nur auf der Couch, sondern gehe auch vor die Tür, um mich zu bewegen. Es geht so schnell, dass der Körper Muskeln abbaut und das kann ich wirklich nicht noch einmal gebrauchen. Aus dem Grund soll ich sogar vor die Tür gehen, natürlich am besten ganz alleine und mit reichlich Abstand zu anderen Menschen. 

Einmal die Woche steht auch der Besuch beim Wochenmarkt an. Ich habe mir da einen kleinen Trick überlegt, der vermutlich nicht für jeden etwas wäre. Langschläfer kommen hierbei eher nicht auf ihre Kosten. Mein Tipp: So früh hingehen, wie es nur geht. Für mich heißt es so ca. 7:30Uhr, da bin ich dann fast komplett alleine und kann alles was ich brauche in Ruhe besorgen. Gehe ich dann gegen 10Uhr raus ist der Markt tatsächlich ziemlich voll und das wäre mir einfach zu riskant. 
Da meine Reha auf der Kippe steht, beziehungsweise es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie stattfindet, bin ich auf den „Sport-Zug“ mit aufgesprungen und gehe mehrmals die Woche Joggen. Ich muss zugeben: Gerne mache ich das nicht, aber nichts tun ist für mich keine Option. Ich fühle mich heute so fit, wie lange nicht mehr und das ist so ein fantastisches Gefühl. Quasi Reha von Zuhause. 


Häufig vergesse ich tatsächlich einfach was da draußen momentan eigentlich so los ist und werde unvorsichtig. Das Wetter lädt natürlich dazu ein nachlässiger zu werden und die Corona-Vorsichtsmaßnahmen zu „vergessen“. Ich kann das absolut nachvollziehen, es ist ja auch einfach nur menschlich bei der wundervollen Sonne nicht in der Bude hocken zu wollen, geht mir ja genauso. Jedoch hat es nichts damit zu tun sich trotz der Regelungen in Gruppen mit 5-6 Personen, häufig auch mehr, zu treffen und auf alles zu scheißen. Die Vorkehrungen werden zwar momentan gelockert, jedoch heißt es noch lange nicht, dass jetzt alles vorbei ist. Es ist ein absoluter Irrglaube zu denken, dass der Virus weg ist. Wenn wir danach gehen würden, wäre die Pandemie bald schneller und stärker zurück, als vorher. Ich weine um den Festival-Sommer. Ich weine um all die schönen Veranstaltungen, die diesen Sommer nicht stattfinden können. Ich weine um Deichbrand, ich weine um den Musiksommer im Fischereihafen und ich weine um die Sail. Endlich wieder loslegen zu können, endlich wieder Spaß haben, endlich wieder auch solche Veranstaltungen genießen zu können, wie alle anderen. Das war der Plan für dieses Jahr. 2020 wird mein Jahr habe ich gesagt und dann kam Corona. Doch was bringt das Meckern? Nichts, richtig! Ich bin traurig, ich bin wahnsinnig traurig, doch weiß ich auch, dass es mir dieses Jahr gut gehen wird und das macht es schon zu meinem Jahr. Auch ohne Veranstaltungen werde ich diesen Sommer in vollen Zügen genießen und jeden Moment versuchen so schön wie möglich zu machen, ohne mein Umfeld, meine Familie oder mich selbst zu gefährden.

Ich vermisse meine Familie und ich vermisse meine Freunde, doch bin ich nicht alleine und dafür bin ich unendlich dankbar. Wann kann man sich wieder ohne Bedenken besuchen? Wann muss man nicht mehr sein Leben nach diesem Virus ausrichten? Ich bin gespannt und kann es kaum erwarten. Doch trotz meiner Ungeduld heißt es jetzt weiter durchhalten und die Füße stillhalten. 
Der Sommer kommt trotzdem und er wird trotz dieses ganzen Spukes ein toller Sommer, den wir so schnell nicht vergessen werden, da bin ich mir sicher! Kopf in den Sand stecken hat noch nie jemandem etwas gebracht. Kreativität und trotz allem Vorsicht sind jetzt angesagt, um den Sommer 2020 zu einem Schönen zu machen.

Werbung:

Ganz frisch 2 Artikel zu meiner Geschichte in Verbindung mit Corona:
https://www.bild.de/regional/bremen/bremen-aktuell/fenja-23-sie-hat-leukaemie-besiegt-jetzt-hat-sie-angst-vor-corona-70141878.bild.html

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bloggerin-aus-bremerhaven-kennt-soziale-distanz-durch-ihre-krebserkrankung-_arid,1909113.html

https://www.norderlesen.de/Leute/Moin-Fenja-Harms-Kaffee-Talk-40687.html

Sportskanone.


Die Monate vergehen so schnell. Die vermutlich schlimmste Zeit meines Lebens rückt immer weiter in die Vergangenheit. „Es ist so schön, dass du es geschafft hast“, höre ich so oft. Klar ist der schlimmste Teil vorbei, doch geschafft ist es für mich erst, wenn nach 5 Jahren die Ärzte sagen: „Sie sind gesund.“ 
Ich werde immer fitter, sowohl mental als auch körperlich. Mein Chemohirn und die damit verbundene Vergesslichkeit kommt kaum noch vor. „Mein Hirn ist ein Sieb“, gehört immer mehr zur Vergangenheit. 

Eine große Sportlerin war ich nie, doch brauche ich den Sport jetzt so sehr, wie noch nie zuvor. Während der Chemotherapie sind die Kilos so gepurzelt und ich habe 10kg abgenommen. Gefühlt 10kg an Muskeln. Ich war und bin zwar schlank, aber meine Haut war überhaupt nicht straff, sondern eher schwabbelig. Dinge, wie Treppen steigen oder gar rennen wurden zu einer großen Hürde. Einfach mal kurz ein paar Meter rennen ging gar nicht mehr, meine Beine wären so weggeknickt. 

Mannschaftssport ist überhaupt nicht meins und die Überwindung zum Joggen fällt mir doch noch sehr schwer. Meine neu entdeckte Leidenschaft ist das Schwimmen. Mindestens einmal die Woche versuche ich für eine Stunde Bahnen schwimmen zu gehen. Dabei kann ich abschalten, mich fokussieren und bin ganz bei mir. Vielleicht ist es auch, weil es mir während der Intensivtherapie strengstens verboten wurde, denn wie sagt man so schön: „Der Mensch will immer das, was man nicht haben kann.“ 
Es ist so wohltuend. Erst richtig Bahnen schwimmen und dann noch im warmen Becken einfach abschalten und entspannen. Für mich ein kleines Wochenhighlight.

Beim Schwimmen ist es vor allem gut, dass ich erst hinterher merke, was ich getan habe und nicht wie zum Beispiel beim Joggen schon halb sterbe, währenddessen ich noch unterwegs bin. Es tut einfach gut. 


Sport war für mich immer eine Last und ich habe es nie gerne gemacht. Die große Sportlerin werde ich vermutlich auch nicht mehr, aber ich habe etwas gefunden, was mir hilft meinen Körper wieder zu stärken. Wenn man absolut keine Muskeln mehr hat kann man total schön sehen, wie es immer mehr wird und wie man immer fitter wird, so soll es weitergehen. Ich genieße jede Bewegung und entdecke endlich das Schöne am Sport. 

Zwei Mal die Woche gehe ich mittlerweile für ein paar Stunden arbeiten, auch das tut einfach gut. Produktiv sein und feste Termine zu haben, auf die ich mich einstellen kann ist wunderbar. Hätte man mir noch vor 2 Jahren gesagt, wie sehr ich mich über Sport und Arbeit freuen würde, hätte ich die Person auf jeden Fall ausgelacht. Über sowas kann man sich doch nicht freuen – Doch, kann man! 

Das Krankenhaus rückt immer mehr in den Hintergrund. Einmal die Woche muss ich mich noch zur Blutkontrolle und Medikamentengabe dort für ein, zwei, höchstens drei Stunden blicken lassen. Es ist ein auch feststehender Termin, der definitiv zu meiner Woche gehört, an den ich absolut gewöhnt bin und der nach kurzer Zeit abgearbeitet ist und mir nicht unnötig viel Zeit raubt. Ich muss mich, bis auf die Medikamente, die ich noch nehme und immer noch jeden Freitag bekomme, kaum noch mit lästigen Behandlungen auseinandersetzten. Selbst Punktionen müssen nur noch alle drei Monate gemacht werden. 

Es ist so schön selber zu merken, wie man Tag für Tag stärker wird und auch bei körperlich anspruchsvolleren Aktivitäten nicht immer direkt raus sein zu müssen. 

Im Sommer geht’s richtig los und bis dahin genieße ich meine Zeit so gut es geht mit meinen Freunden und meiner Familie. Ich genieße aber auch die Momente, wie beim Schwimmen, in denen ich mit dem Kopf einfach nur bei mir bin und meine Gedanken einfach schweifen lassen kann. Diese Zeit für mich genieße ich und die brauche ich auch. Meiner Meinung nach tut man viel zu wenig für sich selbst. Es ist doch so leicht sich einfach mal eine Stunde zu nehmen, um sich etwas Gutes zu tun. Mir hilft es, mir geht es gut – sowohl körperlich als auch mental und ich bin unendlich froh das von mir behaupten zu können. Es geht in großen Schritten Richtung Gesundheit! 

P.S. Am 04. Februar, dem Weltkrebstag 2020 lief auf Sat1-Regional (Bremen-Niedersachsen) ein Beitrag über meine Geschichte. Ich bin unendlich dankbar, dass ich durch den Beitrag meine positive Einstellung weiter verbreiten – und hoffentlich dem Einen oder Anderen Mut machen konnte. Der Beitrag hat mich und meine Persönlichkeit unglaublich gut wiedergegeben und ich bin froh so offen reden zu dürfen. 
Wer den Beitrag noch nicht gesehen hat, kann ihn super gerne in der Mediathek von Sat1-Regional nachschauen: 

https://www.sat1regional.de/20-weltkrebstag-junge-bremerhavenerin-berichtet-vom-kampf-gegen-leukaemie/

Die Feste feiern, wie sie fallen.


Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Was bleibt einem schon groß anderes übrig, wenn man eingesperrt ist? Nicht feiern? Keine Option. Heute, ein Jahr später bin ich froh, dass wir trotz Krankheit, trotz Isolation das Beste aus den wichtigen Tagen im Jahr gemacht haben.
Weihnachten, Silvester und Geburtstag im Krankenhaus. Was für eine Scheiße. Es ist furchtbar, da brauche ich nicht groß drum rumreden. Das Krankenhaus ist nicht der Ort, an dem sich jemand aufhalten sollte über Weihnachten & co., jedoch kann man es sich manchmal einfach nicht aussuchen. Meine Feiertage im letzten Jahr könnten im Vergleich zu 2018 nicht verschiedener gewesen sein. Genau das ist auch gut so. 

Wie das Schicksal es wollte bekam ich meine Diagnose kurz vor Weihnachten. Schöne Bescherung, aber man nimmt es an und funktioniert. Die kompletten Feiertage, wie Heiligabend, 1. Weihnachtstag, 2. Weihnachtstag & Silvester musste ich also zwangsläufig im Krankenhaus verbringen. Soll ich was sagen? Ich denke nicht, dass jemand auf dieser Station die Feiertage, trotz Gefangenschaft, jemals so schön verbracht hat, wie ich. Meine Eltern, die Freundin meines Papas und mein Freund kamen an Heiligabend zu mir ins Krankenhaus. Wir bauten ein tolles Buffet auf, aus verschiedenen Dingen, die ich essen durfte. Zu der Zeit war meine Ernährung noch sehr streng eingeschränkt und ich musste zu 100% antibakteriell essen. Es gab Pizzaschnecken, Chickenwings, Käsewürfel, kleine Würstchen, Baguette, Nudelsalat und noch weitere Kleinigkeiten. Sogar Kinderpunsch steuerte meine damalige Bettnachbarin bei. Niemand von uns hätte sich auch nur im Geringsten vorstellen können einmal so Weihnachten zu feiern und trotz aller Sorgen und Schwierigkeiten, die wir zu der Zeit hatten, gab sich jeder in meinem Umfeld so unglaublich viel Mühe, um mir schöne Tage zu ermöglichen. Es war ungewohnt. Ganz anders als sonst, aber es war irgendwie auch sehr schön. Wir waren beisammen, haben zwar unkonventionell, aber lecker gegessen und hatten eine schöne Zeit. Das war für mich die Hauptsache. Das war Weihnachten. An solchen Tagen erkennt man meiner Meinung nach erst wirklich den Sinn von Weihnachten und was die Feiertage eigentlich wirklich ausmacht. Es sind nicht die Geschenke, von denen ich nebenbei bemerkt eine Menge das Jahr bekommen habe, mich aber an nur wenige tatsächlich erinnere, weil sie in meinem Kopf einfach nicht im Vordergrund standen. Es ist nicht die dicke Weihnachtsgans, oder das Schickmachen. Es ist das Beisammensein, was für mich zählt und vor allem in 2018 einen sehr hohen Stellenwert für mich hatte.

Am 1. Feiertag wurde mein Krankenzimmer dann rappelvoll, da meine Familie mich besuchte. Ein komisches Gefühl, da wir normalerweise über Weihnachten immer im Urlaub waren, um die Tage wirklich beieinander zu sein. Auch für dieses Jahr war ein kleiner Urlaub geplant, der dann kurzer Hand gekänzelt wurde. Die Familie um sich zu haben ist einfach wundervoll und so wurde auch der erste Weihnachtstag im Krankenhaus für mich Ereignisreich. Abends bekam ich sogar von meinem Freund ein zweites, kleines Weihnachtsessen: Er holte bei einem Lieferdienst schön fetten Nudelauflauf für mich.  

Ich bin ganz ehrlich, so schön das alles auch klingen mag, natürlich konnte meine Familie und mein Freund trotz aller Mühen nicht 24/7 an meiner Seite sein. Mein Freund hat natürlich auch eine Familie, die ihn an Weihnachten sehen möchte. Meine Mama verbringt selbstverständlich auch Zeit mit meiner Familie, die auch nicht mit alle Mann den ganzen Tag auf meinem Zimmer hocken konnte und durchaus war ich auch krank und immer wieder erschöpft. Es gab Momente, wenn ich dann alleine im Krankenhaus lag und Weihnachtsfilme geguckt habe, die ich sonst gemeinsam mit meiner Familie auf der Couch schaute, an denen ich wirklich traurig war und mich zu ihnen gewünscht habe. Ich habe mir immer wieder gesagt: Nächstes Jahr möchte ich mit allen zusammen sein, mit meiner Familie, mit meinem Freund und auch mit seiner Familie. Nächstes Jahr möchte ich in meiner Heimat feiern, was wir schon jahrelang nicht mehr gemacht haben. Nächstes Jahr möchte ich zu Hause feiern, ohne einen Gedanken ans Krankenhaus zu verschwenden. Und genau so ist es 2019 gekommen. 

Letztes Jahr habe ich quasi für zwei Weihnachtsfeste gefeiert. Es war mein Weihnachten, so wie ich es mir gewünscht habe und es war wundervoll. 

Vielen Menschen ist Weihnachten egal, es stresst sie und wird eher als Qual betrachtet. Für mich habe ich gemerkt, ist es was ganz anderes. Ich genieße jeden Film, den ich gemeinsam mit meiner Familie schauen kann, genieße jedes leckere Essen, was wir uns gönnten (und bei Gott, dieses Jahr gab es wirklich viel) und genieße auch die Kirche am Heiligen Abend, die bei uns einfach Tradition ist. 
Ich habe das Gefühl 2019 habe ich nicht nur für zwei Weihnachtsfeste gefeiert, ich habe auch für zwei Weihnachtsfeste gegessen. Es gab so unfassbar viel und es war alles so unfassbar lecker über die ganzen Tage verteilt. Von Omas leckerem Lamm, über Raclette, Hering, sogar in meinem Lieblingsrestaurant waren wir, in dem es Steak gab, bis hin zur traditionellen Weihnachtsgans, wie ich sie schon erwähnt hatte, war alles dabei. Wenn ich es mir so durch den Kopf gehen lasse, müsste ich eigentlich nach all den Leckereien durch die Gegend rollen. Glück gehabt, alles noch im grünen Bereich. 
Ich habe Weihnachten in vollen Zügen genossen und habe mir alles gegönnt, was mir im Jahr zuvor verwehrt gewesen ist. An Heiligabend habe ich mich schick gemacht und am 1. Weihnachtstag bin ich sogar mit meinen Cousinen und meinen besten Freunden feiern gegangen. Es ist so eine schöne Entwicklung für mich selbst zu sehen, was ich geschafft habe. 2018 lag ich Weihnachten isoliert im Krankenbett und 2019 habe ich schon wieder die Tanzfläche gestürmt. Klar noch nicht mit 100%, aber ich habe es so sehr genossen. Weihnachten Zuhause war für mich einfach wunderschön und ich bin dankbar, dass ich in meiner Heimat mit all meinen Liebsten zusammen sein durfte.  Ich bin dankbar, dass ich mir letztes Jahr eben die dicke Weihnachtsgans gönnen durfte, aber trotzdem nicht aus den Augen verloren habe was am aller Wichtigsten ist: Die gemeinsame Zeit. 

Auf Weihnachten folgt Silvester und auch dieser Tag musste 2018 auf Station verbracht werden.  Und auch diesen Tag haben wir uns so gut es geht schön gemacht. Wir waren wieder die gleiche Truppe, wie an Heiligabend: Meine Mama, mein Papa, seine Lebensgefährtin, mein Freund & ich. Wir machten uns Kleinigkeiten zum snacken, spielten Spiele und hatten auch im Krankenhaus Spaß. Problem an Silvester: Das neue Jahr startet erst um 0 Uhr und um 22 Uhr war ich schon so erschöpft, dass nur noch mein Freund bei mir blieb und ich mit ihm bis um 0 Uhr wartete. Ich war isoliert, also musste entweder er Mundschutz tragen oder ich. Nichts Neujahrskuss, nichts Romantik. Er war bei mir und das war mir wichtig. Wir wussten beide 2019 wird besser und dann gibt’s auch den Neujahrskuss. 

2019 gab das Schicksal nochmal alles und mein Opa musste uns leider viel zu früh verlassen und was gibt es Wichtigeres als die Familie? Nichts, richtig! Meine Cousinen und ich entschieden uns das Jahr 2019 gemeinsam mit unserer Oma zu verabschieden und fuhren zu ihr, um mit ihr Fondue zu machen, was sie sonst immer mit unserem Opa gemacht hat. Wir schauten „Dinner-for-one“, aßen mal wieder super lecker und hatten einen schönen Abend. Es war wirklich toll, so konnte ich Silvester sowohl mit einem Teil meiner Familie verbringen, als auch mit meinem Freund und Freunden, zu denen ich dann gegen späteren Abend fuhr, um mir meinen Neujahrskuss abzuholen. Ich habe 2019 für mich sowas von abgehakt. Es war ein grauenvolles Jahr, voller Krankenhaus, Erschöpfung und anderes schrecklichen Dingen. So blöd es klingt und so oft man es vielleicht auch einfach daher sagt, aber: Es kann nur besser werden. 2020 werde bitte besser. Bitte, bitte, bitte. Wir habend jetzt erstmal genug ertragen. 

Kommen wir zum letzten wichtigen Fest (versprochen): Meinem Geburtstag. Da ich ein Januarkind bin, hatte ich natürlich auch das große Los gezogen nicht nur Weihnachten und Silvester, sondern auch noch meinen Geburtstag in Gefangenschaft zu verbringen, Juhu! Eins kann ich sagen, ich glaube ich hatte noch nie so viel Besuch. Ich war schon richtig überfordert von der Menge an Leuten, die mich an dem Tag besuchten. Es fing mit meiner besten Freundin und einer anderen guten Freundin morgens an und ging mit meiner Mama weiter, es kamen Freunde und Familie den ganzen Tag lang und abends dann mein Freund. Die obligatorische „Benjamin-Blümchen-Torte“ war dabei und ich hatte viel Spaß, doch stellt man sich für seinen Geburtstag einfach etwas anderes vor, als in diesem riesen Kasten gefangen zu sein. 

Morgen ist ein Jahr um, morgen ist wieder mein Geburtstag und ich könnte nicht glücklicher sein ihn nicht im Krankenhaus verbringen zu müssen. Heute sitze ich meinen wöchentlichen Krankenhausbesuch ab und dann geht’s wieder ab in die Freiheit. Ein Jahr ist dann wieder um und ich freue mich schon auf alles was jetzt kommt. Mit 23 fängt das Leben doch erst richtig an, oder nicht? 

Morgen und die ganze restliche Woche wird schön. Ich bin selbstständig, verbringe die Zeit mit meinen Liebsten und bin nicht mehr so unfassbar erschöpft, wie im Jahr zuvor. 23 ist doch ein fantastisches Alter, um so richtig durchzustarten. So schön man es sich macht, und so viel Mühe man sich gibt, ein Krankenhaus bleibt einfach immer ein Krankenhaus und Zuhause bleibt einfach Zuhause. Es war eine sehr komische Erfahrung die Tage auf Station zu verbringen und auch wenn wir viel Spaß hatten, wünsche ich das niemandem. Auch ich selber möchte keinen dieser Tage jemals wieder dort verbringen müssen. 
Ein sehr schweres Jahr ist endlich zu Ende und ich könnte mich nicht mehr auf die Zukunft freuen und auf alle Feste, die noch kommen. 

*Werbung durch Markennennung/erkennung

Die langersehnte Nachricht.

Eigentlich hatte ich schon einen kompletten Beitrag für meinen Blog fertig geschrieben, doch heute kam dann alles ein wenig anders, als ich erwartet hatte. 
Die Erhaltungstherapie startet – endlich. Eigentlich sollte es schon Anfang der Woche los gehen, doch wegen Platzmangel auf meiner Station wurde es immer wieder verschoben, bis heute. Es muss weiter gehen, dachte ich mir die letzten Tage immer wieder. So schön es den letzten Monat ohne Krankenhaus war und so sehr ich die Normalität und selbst die Langeweile genossen habe, so sehr war immer noch der Gedanke in meinem Kopf, dass sich Leukämiezellen in meinem Körper befinden und immer noch nicht alles weg ist. Es muss weiter gehen, dachte ich nur. Es muss weiter gehen in Richtung Gesundheit. Der Krebs muss weg und das komplett.

Heute war es endlich so weit, die Erhaltungstherapie sollte starten. 
Die erste Nachricht, die der Arzt mir dann quasi zwischen Tür und Angel übermittelte: „Bei der letzten Punktion konnten keine Krebszellen mehr bei Ihnen gefunden werden. Es sind keine mehr da.“ – Wow! Natürlich muss immer noch gut drauf geachtet werden, es muss kontrolliert werden, und ich muss weiterhin starke Medikamente bekommen, aber Wow! – was für eine Nachricht. Was für eine großartige Nachricht! 

Ich habe mich den letzten Monat so normal gefühlt, überhaupt nicht krank. Tag für Tag habe ich gespürt, wie mein Körper stärker und kräftiger wurde. Tag für Tag konnte ich Dinge erledigen, auch anstrengende Dinge, ohne komplett erschöpft oder kaputt zu sein. Es fühlt sich einfach nur gut an. Selbst mit „Sport“ habe ich wieder ein wenig angefangen. Sport im weitesten Sinne… es sind kleine Übungen und Yoga für Anfänger, aber hey, immerhin. Selbst den Muskelkater genieße ich. Wie lange hatte ich bitte keinen Muskelkater mehr? Es ist verrückt. 

Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass es nach der letzten Chemo einfach nur wieder besser geworden sein kann, aber dass gar nichts mehr gefunden wurde hätte ich nicht erwartet. Es ist ein großartiges Gefühl.

Nach jeder Punktion immer wieder ein „Es ist besser geworden, aber immer noch nicht ganz weg“ war mittlerweile normal. „Bis zur Erhaltungstherapie bekommen wir die blöden letzten Krebszellen noch weg“, hat mein Arzt immer gesagt und siehe da – endlich! 

Es geht mir gut – wirklich gut. Nicht den Umständen entsprechend gut, sondern einfach gut. Ich kann wirklich nicht beschreiben was für ein fantastisches Gefühl es ist, das von mir behaupten zu können. Es tut so verdammt gut wieder selbstständiger und vor allem kräftiger zu werden. Einfach großartig. 

Ein neuer Schritt in Richtung Gesundheit starten heute. Mit Sicherheit wird auch dieser Weg kein Spaziergang, aber ich bin nicht mehr so abgeschottet von einem normalen Leben. Trotz Krankenhaus Normalität – und das ist auch gut so! Meine neu gewonnene Freiheit gebe ich so schnell nicht wieder her. 

Wie angenehm ein ganz Normaler Alltag, ein ganz normales Leben sein kann, lernt man erst zu schätzen, wenn es einem genommen wird. Letztes Jahr kurz vor Weihnachten, am 12.12. habe ich meine Diagnose bekommen. Heute, ein knappes Jahr später, am 05.12. endlich die lang ersehnte Nachricht: Keine Krebszellen mehr. Das schönste Weihnachtsgeschenk, was ich jemals bekommen habe und vermutlich bekommen werde. Ein riesen Schritt in Richtung Gesundheit.

2019 war ein scheiß Jahr und ich bin froh, wenn es endlich vorbei ist. Die Krankheit hat mein ganzes Jahr in Anspruch genommen, doch ich habe mich nicht unterkriegen lassen und ich werde alles dafür tun, dass diese beschissenen Zellen auch wegbleiben. 
Gesundheit ist das wichtigste Gut, das ein Mensch besitzen kann, das dürfen wir niemals vergessen. Eine Krankheit wünscht man keinem. #fuckyou2019 #fuckyoucancer Auf ein besseres 2020 und darauf, dass diese scheiß Krebszellen nicht mehr wiederkommen. Auf in die Erhaltungstherapie – los geht’s. 

Einfach mal so richtig Pech gehabt.


„An was denken Sie, wenn Sie an eine Krankheit des Blutes denken?“ – natürlich nicht sofort an Leukämie. Leukämie ist das, was die in irgendwelchen Filmen haben, oder die Menschen, die in der Zeitung stehen, aber nicht ich. Dann aber zu hören: „Es könnte Leukämie sein“, ist einfach nur unwirklich und fern ab jeder Realität. Du malst dir aus, was es alles sein könnte, denn Leukämie, also Krebs, ist vollkommen ausgeschlossen. Hallo? Ich bin 22, da hat man eben einfach keinen Krebs, außerdem haben Leukämie eh nur alte Menschen und kleine Kinder, also sicher nicht ich. Und trotzdem erklärt dir auch der zweite Arzt, der Hämatologe, der Spezialist: „Sie haben Leukämie, eine sehr gut behandelbare Form, aber es ist eine trotz allem eine bösartige Blutkrankheit, die schnellst möglich behandelt werden muss.“  
Was macht man also in dieser Situation, in der man eigentlich damit gerechnet hat zu hören, dass alles halb so schlimm ist, und dass man abends wieder gemütlich mit seinem Freund auf dem Sofa liegen würde und irgendwelche Serien auf Netflixgucken würde. „Wir würden Sie gerne direkt in der Notaufnahme aufnehmen, haben Sie irgendjemanden, der Ihnen Sachen bringen kann?“ Renn mal gegen eine Wand, lass dir ins Gesicht schlagen, oder einfach direkt in die Magenkuhle, das ist angenehmer. 
Der 11.12., also natürlich auch direkt vor Weihnachten, war der Tag, an dem ich das letzte Mal in meinem Bett aufgewacht bin, ohne Medikamente zu nehmen, oder direkt Blut abgenommen zu bekommen. An dem ich das letzte Mal mich geschminkt habe und mich richtig fertig gemacht habe. Keine Ahnung von dem was auf mich zu kommt. Es war doch einfach nur eine Erkältung, die nicht weg ging. Ja ok, vielleicht war ich ein bisschen schlapp in der letzten Zeit, aber mir geht es doch gut. Mir geht es doch die ganze Zeit immer gut.

„Warum ich?“, klar ist es das erste was man sich fragt. Man guckt fernsehen, sieht Leute am Fenster vorbeilaufen, Menschen in Zeitschriften oder auf dem Handy, die alle gesund sind und es am besten nicht einmal zu schätzen wissen und man fragt sich „warum ausgerechnet ich?“. Es ist Pech, ganz einfach gesagt und dieses Mal habe ich einfach mal so richtig Pech gehabt. Es gibt keinen Grund warum man diese Form von Leukämie bekommt. Raucher, die Lungenkrebs bekommen zum Beispiel haben einen Auslöser, ein Tumor, wenn man Strahlung ausgesetzt ist, ein Grund, doch hier gibt es das nicht, es kann jeden treffen, jeder Zeit und dieses Mal hatte ich eben das reine Pech. Die Ärztin nannte es: „Eine Zelle, die im Körper verrückt spielt und der dann viele weitere Zellen folgen“, kein Einfluss von Außerhalb, einfach eine einzige Zelle, die sich nicht richtig entwickelt und eine bösartige Blutkrankheit auslöst, die einfach auf einen Schlag dein ganzes Leben verändert. 


Eigentlich gab es keinen Moment in dem ich nicht positiv gedacht habe. Ich kann es nicht erklären, aber für mich ist es nicht so, als wäre ich schwer krank und als wäre es Krebs. Ich fühle mich nicht so, ich bin immer noch ich, ganz unverändert. Klar fehlen mittlerweile die Haare und das Krankenhaus ist zu meinem neuen Zuhause geworden, aber ich bin immer noch ich. Natürlich gibt es Tage an denen ich merke, dass ich schwach und müde bin und einfach nicht das schaffe, was ich gerne möchte, an denen die kleinsten Dinge, wie duschen oder mich umziehen eine richtige Anstrengung sind, aber ich bin immer noch ich. Für mich ging es ab dem Zeitpunkt an dem ich realisiert habe, dass ich tatsächlich nicht nur einen Schnupfen habe in eine Richtung und zwar nach vorne. Für mich gibt es keine andere Richtung, keine andere Option als Kerngesund werden! 

Klar lässt einen dieser „Warum-ich-Gedanke“ nie ganz los, doch man findet sich schnell damit ab und ist froh, dass man selber es hat, man selber dagegen kämpfen kann, es in die eigene Hand nehmen kann und es nicht zum Beispiel jemand aus seiner Familie, jemand von seinen Freunden trifft und man untätig danebenstehen muss. Ich bin stark und komme sehr gut mit der Krankheit und der Therapie klar, mir fällt es nicht schwer vor anderen Menschen damit umzugehen, ich habe nun einmal die Krankheit, warum es verheimlichen oder herunterspielen. Die Familie hat es häufig viel schwerer damit klar zu kommen, sie müssen danebenstehen, können nichts tun und versuchen es dennoch ohne Erfolg. Ich denke viele, viele Menschen würde es schwerer fallen mit all dem umzugehen und dass ich die Krankheit bekommen habe, war wie gesagt reines Pech. Wenn einem fünf Ärzte unabhängig voneinander sagen, dass man wieder kerngesund wird, es aber ein sehr langer und schwerer Weg wird, dann geht man den Weg, denn es geht nur in eine Richtung, nichts anderes kommt in Frage. 

  • Blazer: Hallhuber
  • Hose: Levis
  • Schuhe: Sacha Shoes
  • Gürtel: Moschino
  • Rollkragen: H&M

*Werbung durch Markennennung